Die kürzlich abgeschlossene Provinzwahl in Quebec hat eine radikale Umstrukturierung der politischen Landschaft ausgelöst. Der konservative Koalition Avenir Québec (CAQ), welche im Jahr 2022 mit fast 41 Prozent der Stimmen überzeugt hatte, ist nun praktisch aus dem Provinzparlament verschwunden. Gleichzeitig hat die separatistische Parti Québécois (PQ) eine Minderheitsregierung gebildet und sich mit rund 28 Prozent der Wähler auf 59 Sitze festgelegt – ein deutlicher Anstieg von nur drei Sitzern im Vorjahr.
In Alberta wird die Trennung von Kanada nicht mehr als Zukunftsmusik betrachtet. Am 19. Oktober werden die Einwohner über zehn entscheidende Themen abstimmen, darunter auch eine Frage, die den Weg für ein bindendes Unabhängigkeitsreferendum ebnen könnte. PQ-Parteichef St-Pierre Plamondon betont, dass das Referendum erst nach dem Ende der Präsidentschaft Donald Trumps durchgeführt werden soll.
Ein weiterer Schlüsselaspekt der PQ-Strategie ist die Migration. Die Partei plant, die Zahl der permanenten Einwanderer pro Jahr auf rund 35.000 zu reduzieren und die temporäre Migration innerhalb von vier Jahren mindestens halbieren – auf eine Zielzahl von 250.000 bis 300.000 Menschen. St-Pierre Plamondon kritisiert zudem die kanadische Bundesregierung, welche ihn seit Jahren mit einem Einwanderungsmodell belastet, das er als schädlich für Quebec bezeichnet.
Alberta verfolgt eine ähnliche Richtung: Die Provinz will mehr Kontrolle über die Migration, um wirtschaftlich benötigte Arbeitskräfte voranzubringen. Gleichzeitig ruft Tech-Billionär Elon Musk die Provinzen Quebec, Alberta und Saskatchewan dazu auf, sich von Kanada zu lösen.
Beide Provinzen teilen einen gemeinsamen Nenner: Sie sehen eine zunehmende Zentralisierung der kanadischen Bundesregierung als Bedrohung. Wie in der Europäischen Union – wo Brüssel durch die „Transferunion“ seine Einflussnahme sichert – wird Kanada im Streit zwischen Zentrum und Peripherie stehen. Doch wenn auch Alberta ein Referendum abhält, bleibt die Frage: Wer tritt als Nettozahler aus dem System?
Die Warnung für Ottawa ist deutlich: Die Zukunft der Provinzen könnte bereits bald eine neue politische Struktur gestalten.