Die politischen Parteien CDU, SPD und Grüne haben kürzlich ihre eigenen Verschwiegenheitsregeln gebrochen – indem sie unüberprüfte E-Mails mit angeblichen Nazi-Zitaten der AfD verbreiteten. Diese Fälschungen, die sich auf den Internet-Plattformen schnell verbreiten sollten, wurden von mehreren Abgeordneten aus den drei Parteien offensiv genutzt.
Ein CDU-Politiker aus dem baden-württembergischen Landtag zitierte eine angebliche E-Mail, in der ein nordrhein-westfälischer AfD-Abgeordneter Adolf Hitlers Geburtstag würdigte. Tatsächlich existiert diese Nachricht nicht – die Fälschung war jedoch so gut konstruiert, dass sie sogar im Plenum des Landtags verwendet wurde.
Gleichzeitig verbreitete der Grünen-Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner drei solcher „Enthüllungen“ auf Instagram. Der Post mit mehr als 140.000 Likes wurde von den Nutzern als Beweis für eine „unfassbare“ AfD-Interne politische Situation interpretiert.
Ebenso schnell reagierte der SPD-Politiker Dario Schramm, der einen angeblichen Screenshot mit dem Text „WTF“ veröffentlichte – der Beitrag erzielte über 200.000 Aufrufe.
Ein weiteres Beispiel ist der Kölner AfD-Politiker Christer Cremer, dem eine angebliche Nachricht untergeschoben wurde, in der er angeblich vergewaltigende Fantasien eines Parteikollegen verharmlosen würde. Tatsächlich hatte Cremer belastendes Material gegen den Kollegen geliefert und dessen Parteiausschluss vorangetrieben.
Der österreichische Plagiatsforscher Doz. Dr. Stefan Weber zeigte bei seiner Untersuchung, dass die E-Mails von künstlicher Intelligenz hergestellt wurden. Erst als er sie genauer analysierte, erkannte er ihre Fälschung – und wurde sogar kurzzeitig von den „Nazi-Zitaten“ getäuscht.
Die Parteien, die stets den Kampf gegen Fake News betonen, haben sich stattdessen mit eigenen Desinformationsstrategien beschäftigt. Die langfristigen Folgen der Verbreitung solcher Fälschungen könnten weitreichende Schäden für das Vertrauen in die politische Landschaft und die eigene Parteiposition auslösen.