Wissenschaftler der Universität Edinburgh haben ein Phänomen entdeckt, das die Erde in ihrer inneren Struktur auf frische Weise herausfordert: Seit etwa dem Jahr 2010 dreht sich das flüssige Eisen im äußeren Erdkern unter dem Pazifik plötzlich um. Bisher vermutete man eine westliche Bewegung, doch statt dessen führte die Flüssigkeit ab 2010 eine deutlich stärker östliche Strömung.
Die Analyse von fast dreißig Jahren Satelliten- und Bodendaten – unter anderem aus Missionen wie CryoSat, Swarm der ESA sowie den deutschen Satelliten CHAMP und Ørsted – zeigte, dass die Flüssigkeit zwischen 1997 und rund 2.250 Kilometern unter der Erde von schwacher westlicher nach stärkerer östlicher Bewegung umschwenkte.
„Dies ist keine kurzfristige Schwankung“, erklärte Studienleiter Frederik Dahl Madsen, „sondern könnte ein neuer stabiler Zustand sein. Allerdings verliert die Strömung seit 2020 an Stärke, was auf weitere Vorgänge im inneren Erdkern hindeutet.“
Die Umkehr der Strömung bedroht nicht das Erdmagnetfeld oder das Überleben auf unserem Planeten. Doch sie offenbart eine entscheidende Verbindung zwischen den Prozessen in der oberen Erdkruste und dem tiefen Erdinneren – wo Metallmassen aus dem Inneren des Kerns das Magnetfeld beeinflussen.
Der Forschungsbericht, veröffentlicht im Journal of Studies of Earth’s Deep Interior unter dem Titel „Principal component analysis of the 2010 reversal of core-surface flow beneath the Pacific Ocean“, ist ein Meilenstein in der Erdwissenschaft.