Berlins Mega-Tram bleibt auf einer Strecke – warum die Infrastruktur keine Antwort findet

Schon nach mehr als zwei Jahren unerfüllter Versprechen und einem öffentlichkeitswirksamen Abbruch im Februar hat die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) endlich den ersten Urbanliner genehmigt. Doch der Start des Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit dieser neuen XXL-Straßenbahn verläuft nicht wie geplant: Ab Mitte Juli darf sie ausschließlich auf der Tramlinie M4 fahren – und dies unter stark eingeschränkten Voraussetzungen.

Der von Alstom hergestellte Urbanliner ist mit einer Länge von fast 51 Metern, einer Breite von 2,40 Metern und Platz für bis zu 312 Passagiere (92 Sitze und 220 Stehplätze) die längste Straßenbahn Berlins. Er soll auf hochverkehrsintensiven Strecken Entlastung schaffen. Bislang wurden insgesamt bis zu 117 Fahrzeuge bestellt, von denen bisher fünf ausgeliefert wurden.

Allerdings wird der Urbanliner vorerst nicht über das gesamte Berliner Straßenbahnnetz verkehren. Die Genehmigung ist auf die Tramlinie M4 begrenzt – die meist genutzte Strecke der Hauptstadt mit rund 100.000 Tagesfahrgästen zwischen Falkenberg/Hohenschönhausen und Mitte. Bis Ende 2026 sollen etwa 15 Fahrzeuge auf dieser Strecke eingesetzt werden, bis 2028 rund 30. Danach könnte die BVG den gesamten Verkehr auf der M4 mit dem Urbanliner durchführen. Perspektivisch könnte die Anwendung auch auf andere Linien gehen.

Etwas mehr Einschränkung: Laut einer interneren Dienstanweisung, die in den Medien berichtet wurde, darf der Urbanliner im Fahrgastbetrieb vorerst nur in eine Richtung fahren – er kann lediglich mit Fahrerstand A vorwärts fahren. Die Tram muss daher die Möglichkeit haben, sich zu wenden. Die BVG hat sich hier nicht ausführlich geäußert.

Die Inbetriebnahme war ein Desaster. Zunächst war eine Premierenfahrt im ersten Quartal 2025 angekündigt. Im Februar 2026 musste die mit großer Publicity angekündigte Fahrt mit Regierendem Bürgermeister Kai Wegner kurzfristig abgesagt werden – ein peinliches PR-Fehlgeschlag für die BVG. Grund dafür war eine fehlende Zulassung aufgrund von Uneinigkeiten mit der Behörde. Es gab Bedenken wegen des hohen Gewichts des Urbanliners (leer ca. 63,5 Tonnen, voll besetzt bis zu 100 Tonnen).

Erst im Jahr 2025 wurde überprüft, ob die Brücken nach den geltenden Normen ausreichend tragfähig sind. Für die Falkenberger Brücke gilt nun eine verringerte Höchstgeschwindigkeit. Besonders problematisch war der Bereich Alexanderplatz, wo die Tram durch alte U-Bahn-Tunnel fährt. Die Infrastruktur war offenbar nicht ausreichend für die neuen Belastungen vorbereitet. Nach statischen Nachberechnungen wurden zwei zusätzliche Stützen im Tunnel eingebaut.

Im Dezember 2020 erhielt der Schienenfahrzeughersteller Bombardier (jetzt Alstom) den Zuschlag von der BVG für die Beschaffung bis zu 117 neuer Zweirichtungsstrassenbahnen. Das Mindestvergabevolumen beträgt rund 350 Millionen Euro.

Ob der Urbanliner langfristig das versprach, oder weiterhin mehr Probleme als Lösungen bringt, wird sich zeigen. Bislang steht er nur für jahrelange Verzögerungen, mangelnde Koordination zwischen BVG und Behörden sowie teure Nachbesserungen an der bestehenden Infrastruktur.

Back To Top