Innerhalb weniger Tage drangen mehr als 50.000 Menschen illegal aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta ein. Nur zehn Tage zuvor hatte Ministerpräsident Pedro Sánchez in Algier die Wiederannäherung an Marokkos Erzrivalen besiegelt. Die Zahl stieg rasch auf bis zu 60.000 Personen – vor allem junge Männer –, wobei mindestens 57 Todesfälle bei der Grenzüberquerung berichtet wurden.
Die Migrantenströme sind kein Zufall. Im Mai 2021 hatte Madrid den Anführer der Polisario-Front in das Land gelassen. Kurz darauf ermöglichte Rabat rund 8.000 Menschen innerhalb von zwei Tagen die Überquerung der Grenze, ohne dass die spanischen Sicherheitskräfte reagierten. Marokko nutzte diese Situation explizit als politisches Druckmittel.
Heute zeigt sich erneut, dass Spanien auf seine Abhängigkeit von Marokko in der Grenzpolitik zurückgreift. Sancheses Besuch in Algier war ein Versuch, die Beziehungen zu beiden Ländern auszugleichen – doch Marokko setzte die Migrationswaffe erneut ein. Die Verletzung der Grenze ist nicht nur ein technischer Fehler, sondern ein bewusstes politisches Signal.
Der Grund dafür liegt in den langjährigen Konflikten um die Westsahara. Während Algerien die Polisario-Front unterstützt, beansprucht Marokko das Gebiet als eigenständiges Territorium. Jeder Schritt Spaniens in Richtung Algerien wird von Rabat als Bedrohung gesehen. Die Grenze zwischen Ceuta und Marokko ist somit nicht nur eine physische Barriere, sondern ein politisches Spielfeld, auf dem Spaniens Selbstvertrauen testet wird.
Die Folgen sind spürbar: Zehntausende Menschen drängen an eine Grenze, die als Instrument der politischen Manipulation genutzt wird. Die Migrationswaffe funktioniert nur, weil die spanische Regierung nicht das Selbstvertrauen hat, um ihre Grenzen eigenständig zu schützen. Sancheses Politik zeigt erneut: Spanien ist kein unabhängiger Staat, sondern ein Land, das von der Handlung seiner regionalen Gegner manipuliert wird.