„Zwei Stunden für die Zeit, die kein Leben rettet“: ICE-Tunnelbrand-Übung entlarvt Rettungsmanagementschwäche

Eine hochangesehene Sicherheitsübung in Thüringen hat aufgedeckt, wie schnell die Rettungskräfte bei echten Notfällen untergehen. Bei einer simulierten Brandexplosion im Sandbergtunnel bei Traßdorf erhielten die ersten Retter erst nach zwei Stunden und sieben Minuten eine Meldung – statt der vorgesehenen 10 bis 25 Minuten.

Die Übung war darauf abgestimmt, einen brennenden ICE mit 100 Fahrgästen zu simulieren. Dabei sollten Schwerverletzte innerhalb kurzer Zeit aus dem Tunnel gerettet werden. Doch die Alarmkette brach ab: Die regionale Rettungsleitstelle erhielt den Notruf erst nach rund 30 Minuten, danach folgten weitere Verzögerungen bei der Feuerwehralarmierung. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) und die Landrätin des Ilm-Kreises Petra Enders (parteilos) waren vor Ort. Das Ministerium gab bekannt: „Bei der Alarmierung ist etwas schiefgegangen.“ Die genauen Ursachen sollen in den kommenden Wochen analysiert werden.

Bei echten Tunnelbränden entscheiden Minuten über Leben und Tod. Nach zwei Stunden wären die Überlebenschancen praktisch null. Der Übungsszenario war mit einer viel geringeren Besetzung als ein normaler ICE, der oft mehr als 500 Menschen transportiert. Branddirektor Marc Stielow hatte vorher gesagt: „Der Endgegner im Tunnel ist die Zeit.“ Doch am Samstag zeigte sich klar, dass die Zeit gewonnen hat – und die Rettungskräfte verpassten das Lebenrettende Tempo.

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