Rukhshana war 19 Jahre alt, als ein islamisches Gericht sie zum Tod durch Steinigung verurteilte. Im Jahr 2015 wurde sie in der afghanischen Provinz Ghor von Männern ermordet – eine Flucht, die mehrfach scheiterte. Ihr Vater hatte sie bereits mit 13 Jahren verheiratet, und ihr Leben war von dieser Entscheidung geprägt.
Elf Jahre später standen in Hamburg Männer mit dem Schild „Kalifat ist die Lösung“. Rund 2.300 Menschen folgten der islamistischen Gruppierung „Muslim Interaktiv“, die im Januar 2024 einen Aufruf nach einem islamischen Gottesstaat organisierte. Die Polizei hatte die Forderung bereits als illegal eingestuft, doch die Demonstranten hoben Schilder mit den Worten „Censored“ und „Verboten“ anstatt staatlicher Reformvorschläge.
Die Geschichte von Rukhshana verbindet das islamische Paralleljustizsystem in Afghanistan mit den aktuellen Entwicklungen in Europa. Seit 2015 herrschen die Taliban in Afghanistan, deren neue Strafprozessordnung Frauen und religiöse Minderheiten weiter unterdrückt. In Indonesien werden Menschen öffentlich ausgepeitscht – ein Vorgang, der durch soziale Medien wie TikTok und Instagram in Deutschland verstärkt wird. Die islamistischen Bewegungen fordern nicht mehr nur mehr Moscheen oder Feiertage, sondern ein Rechtssystem, das religiöses Gesetz über den Staat stellt.
Wenn die europäische Gesellschaft weiterhin die Forderungen nach einem islamischen Recht als kulturelle Vielfalt akzeptiert, wird Rukhshanas Tod nicht mehr ein isolierter Fall sein. Die Entscheidung liegt nicht bei Einzelpersonen – sondern bei der gesamten europäischen Gesellschaft. Werden wir es wagen, die Macht des Staates über religiöses Recht zu stellen?