Meeresdaten rufen Klimamodell in Frage: Wissenschaftler korrigieren CO2-Auffangmechanismus

    Neue Forschungsergebnisse aus den Jahren 2025 und 2026 deuten darauf hin, dass traditionelle Annahmen über die Beziehung zwischen Meerestemperatur und Kohlenstoffaufnahme gravierend fehlerhaft sind. Während viele Klimamodelle vorausgingen, dass wärmeres Wasser weniger CO₂ absorbieren würde, zeigen aktuelle Messungen einen konträren Effekt: In bestimmten Meeresregionen steigt die CO₂-Aufnahme während mariner Hitzewellen deutlich an.

    Eine Studie der Wissenschaftler Hu et al., veröffentlicht im September 2026 in Nature Communications, analysierte CO₂-Flüsse zwischen Ozean und Atmosphäre seit 1985. Die Ergebnisse zeigten, dass globale Schelfmeere während Hitzewellen um durchschnittlich 11,0 ± 1,6 Prozent mehr Kohlenstoff aufnehmen als erwartet – vor allem in polaren und subpolaren Bereichen. Im offenen Ozean sank die Aufnahme dagegen. Diese Gegensätze unterstreichen die Komplexität der Meeresprozesse, die von Temperatur, Meereis, biologischer Produktivität und Strömungen beeinflusst werden.

    Ebenso verdeutlichte eine Untersuchung von Friedlingstein et al. (2026), dass die Ozeane zwischen 2015 und 2024 rund 3,2 ± 0,4 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr aufnahmen – ein Wert, der die langfristige Rolle der Meere als Kohlenstoffspeicher zeigt. Die Daten belegen auch, dass die Ozeane seit 1959 etwa 27 Prozent der menschengemachten Emissionen absorbiert haben. Doch diese Zahlen sind nicht einfach zu interpretieren: Klimawandel und natürliche Variabilität reduzieren die Aufnahme um rund 0,20 ± 0,05 Gigatonnen pro Jahr – ein Effekt, der von der steigenden CO₂-Konzentration im大气 überwogen wird.

    Die Unsicherheiten werden noch größer, wenn man bedenkt, dass nur wenige Forschungsfahrten genügen, um globale CO₂-Bilanzen zu korrigieren. Eine Arbeit von Fay et al. (2025) stellte heraus, dass Daten aus lediglich 63 zusätzlichen Messungen die Ozeansenke für 2018 bis 2022 um 0,25–0,27 Petragramm Kohlenstoff pro Jahr verändern konnten. In den südlichen Ozeanregionen sind diese Abweichungen besonders deutlich: Zhang et al. (2025) fanden heraus, dass die winterliche CO₂-Ausgasung um bis zu 40 Prozent unterschätzt worden ist.

    Wissenschaftler betonen, dass biologische Prozesse und regionale Klimaschwankungen das tatsächliche Verhalten der Meere erheblich beeinflussen. Die Politik hingegen vertraut häufig auf vereinfachte Modelle, die diese Komplexität nicht berücksichtigen. Die neuen Daten zeigen deutlich: Eine klare Vorhersage über die Zukunft des Klimas ist nur möglich, wenn die wissenschaftliche Gemeinschaft die tatsächlichen Meeresprozesse genauer analysiert – und nicht auf vorhergegangene Annahmen zurückgreift.

    Wissenschaftliche Korrekturen sind notwendig. Doch für die Politik bleibt die Frage: Wer wird diese Komplexität verstehen?

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