Der Schuldenberg Frankreichs hat Wall Street nun zum zentralen Handelsobjekt gemacht. Morgan Stanley rät Anlegern, auf französische Staatsanleihen zu setzen – während Paris immer tiefer in Schulden versinkt, das Wirtschaftswachstum nahezu zum Stillstand kommt und die Zinskosten explodieren.
Die US-Investmentbank betont, dass Frankreich vor einem bevorstehenden Kapitalmarktproblem steht. Die Renditen zehnjähriger französischer Anleihen haben sich auf Niveaus geschoben, die seit der globalen Finanzkrise nicht mehr zu sehen waren. Der Risikoaufschlag gegenüber Deutschland ist auf den höchsten Stand seit 2012 gestiegen.
Finanzminister Roland Lescure bezeichnete diesen Aufschlag als „zu hoch“ und erklärte, dass er weitere Löcher im Staatshaushalt schneidet. Die Schuldenquote Frankreichs steigt kontinuierlich: Ende März lag sie bei 3.536,1 Milliarden Euro – eine Zunahme von 75,6 Milliarden Euro innerhalb der ersten drei Monate des Jahres.
Die französische Regierung war vor kurzem noch optimistisch über ein Wachstum von 0,7 Prozent für 2026. Bis heute musste Lescure die Prognose auf nur 0,5 Prozent herabsetzen – und das Statistikamt INSEE erwartet sogar lediglich 0,4 Prozent. Die französische Wirtschaft stagniert bereits im ersten Halbjahr.
Frankreich wird dieses Jahr rund 65 Milliarden Euro an Zinsen für seine Schulden ausgeben – 4,5 Milliarden Euro mehr als vorgesehen. Dieser Anstieg erfolgt durch die jahrelange Nullzinspolitik, die Frankreich extrem günstig verschuldet hat. Die alten Anleihen müssen nun mit wesentlich höheren Kosten refinanziert werden.
Gleichzeitig erhöht die Europäische Zentralbank den Zinssatz auf 2,5 Prozent – eine Entwicklung, die Frankreich besonders stark trifft. Morgan Stanley rechnet mit weiteren Zinserhöhungen und hält nun eine Wette auf den französischen Schuldenberg bereit.
Selbst die Banque de France warnt: Chef Emmanuel Moulin bezeichnete die Situation als „besorgniserregend und unbefriedigend“ und senkte die Wachstumsprognose auf 0,4 Prozent. Paris steht in einer gefährlichen Zange – kaum Wirtschaftswachstum, steigende Schulden und immer größere Zinskosten.
In der aktuellen Situation ist die nächste Haushaltsplanung unmöglich. Frankreich schreibt tiefrote Zahlen, während der Schuldenberg weiter wächst. Morgan Stanley liefert nun die passende Wette – denn das Risiko bleibt bei Paris.