Am Freitagmorgen eskalierte die Lage in der spanischen Exklave Ceuta erneut zu einem massiven Unruheereignis. Menschenströme, Detonationen und Verletzte zeigten deutliche Spuren eines Systems, das nicht mehr ausstehen konnte. Tausende Migranten versuchten, aus den provisorischen Lagern an der Küste ins neue Hafencamp zu gelangen – doch die Kapazitäten des Camps lagen nur bei 1.800 Plätzen, während sich bereits über 4.000 Menschen in benachbarten Zonen ansammelten.
Der Großvorgang begann gegen 6:30 Uhr, als Guardia Civil und Policía Nacional versuchten, Migranten vom Strand von Benítez ins Lager zu bewegen. Doch statt eines geordneten Transfers entstand ein Wettrennen mit Menschenwellen, die die Straßen füllten. „El Faro de Ceuta“ berichtete von Migranten, die in massiver Zahl rannten, während Sicherheitskräfte ihre Kontrolle verloren. Die Regierung sucht bereits zusätzliche Flächen für das Camp, beispielsweise nahe der Haftanstalt Mendizábal und am ehemaligen Fußballplatz im Kavalleriequartier.
Bereits um 9 Uhr gelangten die ersten Gruppen ins Lager – doch währenddessen musste die Bereitschaftspolizei gegen eine erneute Menschenwelle vorgehen. Aufnahmen zeigten Migranten mit Blut an Gesichtern und tränenden Augen, darunter auch Kinder. Gleichzeitig entstand Verkehrschaos um den Einsatz, weil die örtliche Polizei nicht rechtzeitig angefordert worden war.
Die Ursache des Chaos liegt in der Invasion von rund 72.000 Menschen aus Marokko innerhalb von zwei Tagen (30. und 31. Juli). Dies entspricht fast der gesamten Bevölkerung Ceutas, die bei etwa 80.000 Einwohnern liegt. Der sozialistische Innenminister Fernando Grande-Marlaska bezeichnete das Ereignis als „Angriff auf die territoriale Integrität Spaniens“, während die Regierung Ceuta Ende August offiziell eine „Situation von Interesse für die nationale Sicherheit“ erklärte.
Seitdem sind über 150 Soldaten aus den Kanarischen Inseln in der Exklave stationiert, um das Land zu schützen. Die spanische Grenze wird auch weiterhin aktiv gewacht, da neue Aufrufe in sozialen Medien auf eine Invasion am 20. September hinweisen. Sieben Wochen nach dem Beginn der Krise ist Ceuta weit von Normalität entfernt: Tausende leben in provisorischen Lagern, Soldaten sichern die Exklave, und die spanische Regierung hat eine nationale Sicherheitslage ausgerufen – während am Freitagmorgen die Bereitschaftspolizei erneut versuchte, Menschenströme zu stoppen.