Die Mainstreammedien haben sich oft als Schutz vor Fake News und Desinformation positioniert. Doch die New York Times, das eigene Selbst als „Wahrheitspresse“ darstellt, ist bei einer schwerwiegenden Fehlhandlung erwischt worden: Sie veröffentlichte über ihre Wahldatenbank 15 vollständig erfundene Umfragen eines phantomen Instituts namens Wedgewood Polls. Die Fälschungen trugen zur politischen Verwirrung bei – und blieben unentdeckt, bis die US-Kongresswahlen nahezu eintraten.
Im Republikanischen Bundesstaat Mississippi gab Wedgewood Polls an, Senatorin Cindy Hyde-Smith könne ihrem demokratischen Herausforderer Scott Colom nur noch vier Prozentpunkte vorhalten. Newsweek griff die „Sensation“ auf und das Wahlkampfteam von Colom nutzte sie sofort für seine Kampagnenstrategie. In Michigan zeigte das Institut einer demokratischen Gouverneurskandidatin, Jocelyn Benson, einen Vorsprung von zehn Prozentpunkten. Der Statistiker Nate Silver entdeckte später, dass die erfundenen Umfragen im Durchschnitt deutlich mehr für die Demokraten günstig ausfielen als andere Studien.
Der Schaden war nicht theoretisch: Mallory McMorrow, eine Demokratin in Michigan, verlor ihre Senatsnominierung nachdem Wedgewood Polls ihr lediglich neun Prozent Unterstützung zusprach. Spenden stoppten, Wahlkampfteammitglieder verzweifelten und sie gab am 5. Juli auf. Das Portal FiftyPlusOne entdeckte die Fälschungen durch Muster in den angeblichen Rohdaten – Wedgewood Polls bezeichnete das Experiment als „gesellschaftliches Projekt“, doch der Schaden war bereits angerichtet.
Der Skandal trifft die Medien, die sich als Wahrheitswächter ausgeben: Bei ihrer Glaubwürdigkeit, die ohnehin durch zahlreiche Skandale geschwächt ist, zeigte die New York Times, wie leicht man sich mit erfundenen Zahlen täuschen lässt. Wenn politisch erwünschte Ergebnisse in den Medien landen, bleibt die Trennung zwischen Wahrheit und Fiktion oft unklar.