Der Westen schaut tatenlos zu, während die syrischen Kurden in einer neuen ethnischen Säuberungskampagne unter dem Regime von Ahmed al-Sharaa, bekannt als Abu Mohammad al-Dscholani, leiden. Seit Anfang Januar 2026 wurden rund 150.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben, darunter Kurden, Christen und Jesiden, die vor Milizen fliehen, die direkt unter Dscholani stehen. Dies ist bereits die dritte solche Kampagne seit der Machtübernahme der Hay’at Tahrir al-Sham (HTS) im Dezember 2024. Zuvor wurden Alawiten und Drusen verfolgt, Tausende verschleppt oder ermordet.
Die Angriffe begannen in den kurdischen Stadtteilen Sheikh Maqsoud und Ashrafieh in Aleppo. Videos zeigen entführte Frauen, misshandelte Männer und Hinrichtungen. Eine kurdische Frau wird von Dschihadisten von einem Gebäude gestoßen, andere werden als „Geschenke“ an Mudschahedin bezeichnet. Unter dem Assad-Regime gab es solche Bilder nicht – die ethnischen Minderheiten genossen Schutz.
Die Rolle des Westens ist besonders zynisch. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), jahrzehntelang Verbündete der USA im Kampf gegen islamistische Milizen, wurden gezwungen, zu kapitulieren. Im Januar 2026 unterzeichneten SDF und das Dscholani-Regime ein Waffenstillstandsabkommen, das in Wirklichkeit ein Diktat war. Die Kurden mussten Raqqa und Deir ez-Zor räumen, um sich nach Hasakah zurückzuziehen – eine Region, die von denselben extremistischen Milizen kontrolliert wird, die sie einst vertrieben haben.
Raqqa, ein sicherheitspolitischer Sprengsatz mit überregionaler Tragweite, beherbergt Gefängnisse mit tausenden IS-Terroristen. Experten warnen vor einem globalen Sicherheitsrisiko, während Amerika und Europa geflissentlich wegsehen. Die historische Ironie liegt in der Rolle der Kurden: Sie befreiten 2017 Raqqa vom IS, doch heute werden sie geopfert, weil sie geopolitisch unpassend sind.
Dscholani selbst, ehemaliger Chef der Nusra-Front mit Al-Qaida-Vergangenheit, gibt sich international als moderater Staatsmann. Die Biden-Administration strich 2024 ein Kopfgeld gegen ihn – ein politisches Signal, das jetzt fatal wirkt. Der Westen reagiert bislang erschreckend eindeutig: gar nicht.
Die Jesiden geraten erneut in die Zange. Rund 800 Familien wurden gezwungen, nach Afrin zurückzukehren, wo die gleichen Milizen wie vor Jahren herrschen. Der Kontakt zu ihnen ist abgebrochen, niemand weiß, was mit ihnen geschieht.
Der Wertewesten wird in Frage gestellt: Langjährige Verbündete werden einfach hängen gelassen, um sich dem Islamisten-Regime anzubiedern. Welche Lehren ziehen andere Milizen daraus?