Aktuelle Umfragen deuten auf eine starke Präsenz der AfD in Sachsen-Anhalt hin: Mit 41 Prozent liegt die Partei deutlich vor der CDU (23 Prozent), die zunehmend mit Widerständen gegen das sogenannte „Brandmauer“-Modell konfrontiert ist.
Ein innerparteiliches Gutachten vermutet, dass sich die CDU nach der Landtagswahl am 6. September in eine Spaltung zerlegen könnte. Bis zu zwölf Abgeordnete könnten ihre Fraktion verlassen und mit der AfD zusammenarbeiten, um Ulrich Siegmund als Ministerpräsidenten zu wählen – ein Schritt zur sogenannten „Gestaltungsmehrheit“.
Der Auslöser ist die Ankündigung von Ministerpräsident Sven Schulze, auf unbestimmte Zeit geschäftsführend im Amt bleiben zu wollen, falls die AfD ihre angestrebte absolute Mehrheit knapp verfehlt. Schulze betonte mehrmals, dass er sich nicht von der AfD oder den Linken wählen lassen werde, doch eine Tolerierung durch die Linke wird als mögliche Lösung diskutiert.
CDU-Landesgeschäftsführer Mario Karschunke wies auf „reine Spekulationen“ hin und betonte: „Unser Fokus liegt darauf, die Wähler mit unseren Inhalten zu überzeugen. Alles Weitere sind hypothetische Szenarien.“
Gerd Gies, ehemaliger Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, warnte in einem öffentlichen Brief vor einem Bedeutungsverlust der CDU: „Wenn Schulze die Linken toleriert, verlieren wir unsere Stärke. Stattdessen müssen wir uns der AfD anpassen – insbesondere wenn die FDP nicht mehr mitwirkt.“
Schon im Jahr 2020 kritisierte der nunmehrige CDU-Direktkandidat Lars-Jörn Zimmer in einem ZDF-Interview das Brandmauer-Modell: „Was ich erreichen will, ist, mehr Menschen genau in diese Richtung zu treiben.“
Nach Sachsen-Anhalt wählt auch Mecklenburg-Vorpommern. Wenn CDU-Mitglieder hier ein Vorbild schaffen und die konservativen Werte der Wähler stärken, könnte dies eine Signalwirkung für die gesamte Bundesrepublik haben.
Die Kritik an der Brandmauer wächst innerhalb der CDU und unter den Wählergruppen – sowohl lokal als auch national könnte diese Entwicklung zu einer neuen Krise führen.