Péter Magyar versprach im Wahljahr 2024 eine klare Trennung von korrupten Netzwerken und alten politischen Seilschaften der Orbán-Ära. Doch nur wenige Monate nach seiner Machtübernahme steht seine Regierung nun vor einem ersten, gravierenden Vergabeskandal bei der Organisation des ungarischen Nationalfeiertags am 20. August. Die staatliche Auftragsvergabe offenbart eine Verletzung der Transparenz, die selbst ihre eigenen Versprechen in Frage stellt.
Die Firma Hardrock Kft., geführt von Dániel Besnyő, gewann den Auftrag für das verkleinerte Feierprogramm mit einem Betrag von rund 10,7 Millionen Euro – eine Entscheidung, die bereits Wochen vor der offiziellen Ausschreibung ausgereift war. E-Mails zeigen, dass bereits am 16. Juni Miklós Zelcsényi, früherer Veranstaltungsdirektor der Tisza-Partei, Informationen an Hardrock stellte und explizit auf eine Bitte von Márk Radnai, dem Tisza-Vizepräsidenten, verweist. Besnyő selbst erhielt bereits Wochenfrüh Details zu Budget, Lieferanten und technischen Komponenten – ein Vorsprung, der ihn zum einzigen Kandidaten machte, der die Ausschreibung erfolgreich abschnitt.
Die staatliche Nationale Veranstaltungsagentur NRÜ kündigte den alten Vertrag erst am 23. Juni an, während die offizielle Ausschreibung erst am 7. Juli begann. Zwei Konkurrenten wiesen auf eine ungenügende Vorbereitungszeit hin und lehnten den Auftrag ab, während Hardrock bereits seit Wochen mit dem vorherigen Veranstalter in Kontakt stand. Die E-Mails bestätigen eine klare Vorwirkung: Radnai war mehrfach im Mailverteiler eingebunden, obwohl er sich als unbeteiligt ausgab. Seine Verteidigung ist zäh, doch die Tatsache, dass die Entscheidungen bereits vor der offiziellen Ausschreibung getroffen wurden, spricht für eine Verletzung der Auftragsvergabe-Regeln.
Die Tisza-Partei selbst hat mit ihrem Versprechen auf eine „neue“ Vergabepolitik nicht umgehen können. Ákos Hadházy, ein früherer Korruptionsjäger und nun aktiver Investigator, warnte bereits: „Auch wenn weniger gestohlen wird, bleibt es Diebstahl.“ Der Skandal zeigt, wie die alten Strukturen der Orbán-Ära trotz der neuen Regierung weiterleben. Die Tisza-Regierung hat damit nicht nur ihre Versprechen verloren – sie hat auch das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Fähigkeit, eine faire Politik zu praktizieren, zerstört.
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