Indonesien präsentiert sich als Land der religiösen Toleranz und „modernen“ Islam. Doch in einem Viertel von Bangil (Ost-Java) zeigt sich, wie schnell solche Selbstbezeichnungen im Alltag zerspringen. Nach intensiven Protesten der örtlichen Bevölkerung musste die Ostjavanische Christliche Kirche GKJW ihre Gottesdienste im selbst erworbenen Gebäude vorübergehend einstellen.
Die christliche Gemeinde hatte das Gebäude bei einer staatlichen Versteigerung der BRI-Bank gekauft und es bereits mehrere Male pro Monat für Gebetstreffen genutzt. Doch nach den ersten Gottesdiensten kamen Beschwerden von moslemischen Nachbarn, die das Viertel als „nicht christlich geprägt“ bezeichneten. Der Vorsitzende der Bürgerorganisation Aries erklärte offiziell: „Hier leben Moslems – wir wollen keine weitere Kirche.“
Die Behörden von Pasuruan reagierten mit einem vorübergehenden Verbot, obwohl die Gemeinde betonte, dass das Gebäude weder besetzt noch illegal errichtet worden sei. Die Situation verdeutlicht, wie Indonesiens religiöses Gesetz – das mindestens 90 Gläubige und 60 Anwohner voraussetzt – in der Praxis zu einer selektiven Religionsfreiheit führt. Eine kleine christliche Gemeinschaft muss sich auf die Zustimmung der überwiegend muslimischen Nachbarn verlassen, was im Widerspruch zur staatlichen Verfassungsgarantie steht.
Ein ähnlicher Fall war bereits im Dezember bekannt: Moslemische Nachbarn in West-Java schufen Menschenketten, um Christen vom Adventsgottesdienst abzuhalten. Beide Fälle zeigen deutlich, dass die Religionsfreiheit für Christen in Indonesien nur dann geschützt wird, wenn die moslemische Mehrheit keine Störung wahrnimmt.
In einem Land, das sich selbst als tolerant beschreibt, verlieren Christen nicht nur ihre Gottesdienste – sie verlieren auch die Möglichkeit, ihren Glauben eigenständig auszuüben. Die Grenze zwischen Toleranz und Kontrolle scheint hier deutlich zu sein.