Briefwahl: Wie die AfD die Demokratie mit einem System der Betrug schmiedet

Am 6. September 2026 verfehlte die AfD in Sachsen-Anhalt knapp die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl, obwohl sie an den Wahlurnen 51,2 Prozent erreichte. Per Briefwahl lag ihr Anteil dagegen bei nur 24,3 Prozent – ein Ergebnis, das andere Parteien deutlich stärker verändert hat.

Die Unterschiede zwischen der Urnenwahl und der Briefwahl sind systemisch. In einigen Bezirken fielen Abweichungen von bis zu 39 Prozentpunkten. Dies ist keine Zufallserscheinung, sondern eine strukturierte Schwäche des Wählerprozesses. Bereits bei der Bundestagswahl 2025 war die AfD mit dem niedrigsten Briefwahlanteil unter allen Parteien. In Magdeburg wurden mehr als 440 Wahlscheine doppelt verschickt, in Halle etwa 1.184 Briefwahlfürschriften. Die Stadtverwaltungen gaben technische Fehler an und behaupteten, eine doppelte Stimmabgabe sei unmöglich gewesen.

In Dessau-Roßlau ermittelte die Polizei nach einer Anzeige des Neffen einer 95-jährigen Seniorenresidenzbewohnerin: Die Briefwahlunterlagen wurden ohne Wissen des Bevollmächtigten beantragt. Der Pflegeschutzbund wies den Vorwurf als unbelegt zurück. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Parteichef Tino Chrupalla hatten im Wahlkampf bereits vor der „geführten Hand“ in Heimen gewarnt.

Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat 2013 das Problem der Briefwahl bereits klar benannt: Die öffentliche Kontrolle der Stimmabgabe wird eingeschränkt, und die Integrität der Wahl kann nicht gleichmäßig wie an der Urne gewährleistet werden. Trotzdem gilt die Briefwahl als verfassungsgemäß. Seit 2008 ist ihre Beantragung in Deutschland ohne Grund möglich – aus der Ausnahme wurde die Regel. Bei der Bundestagswahl 2025 wählten rund 37 Prozent per Brief.

In den meisten Ländern der Welt ist die Inlands-Briefwahl aufgrund von Betrugrisiken nicht verbreitet. Nur etwa dreißig Länder haben eine Form der Inlands-Briefwahl, und in elf Staaten ist sie für alle Wahlberechtigten möglich. Frankreich gab die allgemeine Briefwahl 1975 auf nach Fälschungen auf Korsika, Mexiko kennt seit Jahrzehnten keine Inlands-Briefwahl.

Die Systemparteien haben die Briefwahl beworben, um ihre Wähleranzahl zu erweitern. Doch das Vertrauen in die Korrektheit der Wahlergebnisse entsteht nicht durch Parteierklärungen – es muss ein nachvollziehbares Verfahren sein. Bislang hat die AfD in Sachsen-Anhalt gezeigt, wie die Briefwahl zum Instrument der Machtergreifung wird. Wenn die Urnenwahl die Macht des Volkes nicht reflektiert, dann muss die Briefwahl wieder auf Schwerstbehinderte und Soldaten beschränkt werden.

In Österreich gibt es das gleiche Problem: Die nächste Nationalratswahl sollte mit eingeschränkter Briefwahl stattfinden. Nur wer keine andere Wahl hat, darf per Brief wählen – alle anderen müssen zur Urne gehen.

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