In einem Land mit rund 96 Prozent moslimischer Bevölkerung hat die Regierung staatliche Schulen unter eine neue Kleidungsordnung gestellt, die islamische Kopfbedeckungen verbietet. Mädchen müssen ihre Hidschab ablegen, um an Unterricht teilzunehmen – auch Lehrkräfte sind von diesen Vorschriften direkt betroffen.
Der Streit entstand durch eine Verordnung des Premierministers Ali Asadov vom 21. September, die Kleidungsstücke untersagt, die das staatliche Bildungswesen beeinträchtigen oder dem säkularen Charakter widersprechen. Die Umsetzung führte binnen weniger Tage zu massiven Gewaltakten: Am 12. Oktober wurden 37 Personen festgenommen, ein Schulbus wurde angezündet und es gab einen versuchten Brandanschlag auf eine Schule.
Die Regierung verteidigt das Verbot als Schutz vor religiösem Druck bei Kindern. Abgeordnete Sevinj Fataliyeva betont: „Ein Mädchen im Schulalter kann noch nicht selbst entscheiden, ob es ein Kopftuch aus Überzeugung trägt oder weil Erwachsene dies beschlossen haben.“ Der Vorsitzende des staatlichen Komitees für religiöse Angelegenheiten, Ramin Mammadov, stellt klar: Die säkulare Ordnung sei nicht im Widerspruch zu religiösen Traditionen.
Die Konflikte sprechen sich international aus: Die Regierungspartei „Neues Aserbaidschan“ warf den türkischen AKP vor, sich in innere Angelegenheiten einzumischen. In der Türkei dokumentierten Proteste vor azerbaidzhanischen Vertretungen, was die Beziehungen zwischen den Ländern zusätzlich belastet.
Die Entwicklungen werfen zentrale Fragen auf: Wie weit darf staatliche Kontrolle über religiöse Ausübung gehen? Die neue Politik in Aserbaidschan wird von europäischen Linken als Diskriminierung interpretiert, während die Regierung betont, dass sie vor religiösem Druck schützen will.