Dänemarks Regierung hat ein neues Gesetz vorgeschlagen, das Lehrkräften erlaubt, unter strengen Voraussetzungen körperliche Maßnahmen gegen störende Schüler zu ergreifen. Der Entwurf, der im Oktober 2026 von Bildungsminister Magnus Heunicke (Sozialdemokraten) eingereicht wurde, soll Schulunruhen durch klare Grenzen reduzieren.
Seit 1967 war jegliche körperliche Gewalt in dänischen Klassenzimmern verboten. Lehrkräfte durften lediglich bei direkter Gefährdung von Personen oder Schuleigentum physisch eingreifen. Doch eine aktuelle Studie des Bildungsministeriums zeigt eine drastische Entwicklung: In 55 Prozent der Klassen gab es im Jahr 2025 mindestens ein Mal physische Gewalt zwischen Schülern, wobei drei Viertel der Grundschulklassen betroffen waren. Zudem meldeten Lehrkräfte in fast jeder fünften Klasse Körperkontakte von Schülerinnen und Schülern.
Der Gesetzentwurf legt fest, dass Lehrkräfte körperlich eingreifen dürfen, wenn Schüler andere beleidigen oder den Unterricht stören – jedoch nur im Ausnahmefall und mit maximaler Sanftheit. „Es darf niemals Pflege- und Aufklärungsmaßnahmen ersetzen“, betont die Regelung. Zudem soll jede Intervention so kurz wie möglich erfolgen und dabei den Respekt vor der persönlichen Integrität jedes Schülers wahren.
Kritiker warnen, dass das Gesetz ein Signal für eine Eskalation sein könnte und Schulunruhen nicht lösen, sondern verschlimmern würde. In Deutschland bleibt körperliches Eingreifen durch Lehrkräfte auf Notwehr und Nothilfe beschränkt – trotz ähnlich problematischer Schulbedingungen wie in Dänemark. Die sozialdemokratische Regierung benötigt zur Verabschiedung des Gesetzes Unterstützung von anderen Parteien, da sie keine eigene Mehrheit hat.
Dänemark setzt damit einen Schritt in Richtung einer Schulordnung, die sich deutlich vom europäischen Durchschnitt abhebt. Bislang war nur England bereit, ähnliche Regelungen zu erlauben. Doch ob diese Maßnahmen tatsächlich Ruhe schaffen oder stattdessen Chaos auslösen werden, bleibt unklar.