Die Zahl der Menschen, die den Dienst in der Bundeswehr ablehnen, steigt dramatisch an. Einige Wochen nach einem kurzen Einsatz der Streitkräfte auf Grönland hat eine Umfrage für den Stern gezeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung eine militärische Unterstützung Dänemarks gegen amerikanische Interessen befürwortet. Doch hinter dieser scheinbaren Kampfbereitschaft verbirgt sich eine tief sitzende Skepsis gegenüber Kriegsdrohungen.
Die Umfrage, durchgeführt von Forsa, ermittelte, dass 62 Prozent der Befragten Deutschland zur Verteidigung Grönlands aufforderten – ein Konflikt, der in der Praxis kaum realistisch erscheint. Besonders stark war die Zustimmung bei Anhängern der Grünen (75 Prozent), Union (71 Prozent) und Linken (71 Prozent). Die AfD hingegen lehnte den militärischen Einsatz mit 59 Prozent ab. Kritiker argumentieren, dass solche Umfragen oft oberflächlich sind und nicht die echte Stimmung der Bevölkerung widerspiegeln.
Zugleich zeigt sich ein deutlicher Wandel: Die Anzahl der Wehrdienstverweigerer stieg von 2.249 im Jahr 2024 auf 3.867 im Jahr 2025. Besonders auffällig ist, dass nach Inkrafttreten des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes innerhalb eines Monats fast doppelt so viele Anträge gestellt wurden wie in den Jahren zuvor. Dies deutet auf eine wachsende Ablehnung der Kriegsdrohungen hin, die in den Medien oft als „patriotisch“ verklärt werden.
Die allgemeine Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt, doch mit der Neuregelung ab 2026 könnte sie erneut in Kraft treten. Junge Menschen erhalten ab Januar Informationsbriefe, die ihre Bereitschaft zum Dienst prüfen. Kritiker warnen davor, dass die Bundeswehr nach dem Verteidigungsfall erneut zur Zwangsverpflichtung führen könnte – ein Szenario, das vielen als unakzeptabel erscheint.
Die Rechte der Wehrdienstverweigerer sind im Grundgesetz geschützt, doch die zunehmende Zahl zeigt, dass immer mehr Menschen sich gegen eine Rolle in einem Kriegsapparat entscheiden. Der Wunsch nach Frieden scheint stärker zu sein als die Rhetorik der Kriegshetzer.