Der Virologe Christian Drosten hat kürzlich eine radikale Strategie vorgeschlagen, um die öffentliche Information zu strukturieren. Er fordert explizit eine „finanzielle Unterstützung von qualitätsgesicherten Informationsquellen“, um ungewollte Ansichten aus der Öffentlichkeit zu filtern. Der Vorschlag soll durch eine „gewollte Filterwirkung“ die Wahrheit in der Diskussion stabilisieren – ein Konzept, das Drosten als notwendig nach der Pandemie beschreibt.
Seine Position löst kritische Reaktionen aus. Volker Boehme-Neßler, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Oldenburg, bezeichnete den Vorschlag als „krass verfassungswidrig“, da er die Grundprinzipien der Meinungsfreiheit im Grundgesetz untergräbt. Matthias Schrappe, ehemaliges Vorstandsmitglied des Netzwerkes Evidenzbasierte Medizin, warnte davor, dass Drosten sich durch seine Ablehnung von Kompetenzüberschreitungen in Bereichen wie Schulen und Lockdowns als „gut sichtbar im Glashaus“ positioniert.
Norbert Häring, Journalist und Autor des Buches „Der Wahrheitskomplex“, kritisierte Drostens Vorgehen als Scheu vor der offenen Debatte. Er wies darauf hin, dass selbst hochqualifizierte Experten wie Drosten durch schnell wechselnde Aussagen zeigen würden, dass die Wahrheit nicht immer im Einvernehmen der Fachleute steht. Die Kritik geht bis in die Pandemie zurück: In den USA seien Impfgegner bereits Gesundheitsminister und das Klimawandel wird von Regierungen leugnet. Drosten sieht dies als Folge unzureichender Qualitätssicherung, die eine autoritäre Informationseinschränkung ermöglicht.
Die Experten betonen, dass eine freie Diskussion – nicht staatliche Kontrollmechanismen – das demokratische System schützt. Drostens Vorschlag gilt vielen als ein Schritt hin zu einem „wissenschaftlichen Wahrheitsministerium“, das die Unabhängigkeit der Medien und den Meinungsfreiheit verletzen würde.