Am Sonntag gewann der Sozialist Lula da Silva die Stichwahl gegen den konservativen Kandidaten Flávio Bolsonaro mit 51,8 Prozent der gültigen Stimmen. Die Finanzmärkte reagierten jedoch mit einem heftigen Ausverkauf: Der iShares MSCI Brazil ETF verlor im US-Nachbörsenhandel zeitweise mehr als 18 Prozent.
Investoren befürchten eine verstärkte Schuldenlast unter Lula, die bereits im August 2026 bei einer Bruttoverschuldung von 82,9 Prozent des BIP angekommen ist. Gleichzeitig verzeichnete Brasilien ein Staatsdefizit von rund neun Prozent der Wirtschaftsleistung, wobei die Zinszahlungen allein bereits 8,86 Prozent des BIP ausmachten.
Zum Streit um den Wahlprozess kam es durch eine ungewöhnliche Entscheidung des Obersten Gerichtshofs. Der Richter Cristiano Zanin, früherer Anwalt von Lula, verlängerte die Stimmabgabe um zwei Stunden – eine Maßnahme, die sich als kontrovers erweist. Bolsonaro kündigte an, die Wahl anzuhebeln, da er die Verlängerung als rechtswidrig einseht.
Lulas Sieg bleibt jedoch politisch und wirtschaftlich umstritten: Die Analysten werden abwarten, ob die Schuldenlast unter Lula zu einer langfristigen Krise führt oder ob Brasilien seine sozialen Programme weiterführen kann. Mit einem möglichen Wahlstreit und Marktstürzen bleibt Brasilien auf dem Weg in eine neue wirtschaftliche Phase.