Keine Gratis-Bratwurst – München setzt Impf-Kampagne auf der Wiesn: Ein Versprechen ohne Realität

Die Landeshauptstadt München hat für das Oktoberfest 2026 eine neue Impfkampagne auf der Wiesn gestartet. Betroffen sind alle Bürger, die sich gegen Grippe und Covid-19 impfen lassen möchten – mit einem Dienstleistungspunkt, der ohne Terminvereinbarung funktioniert. Doch im Gegensatz zu den traditionellen Gratis-Bratwürsten bleibt dieses Angebot leer.

Gesundheitsbeauftragte Beatrix Zurek betonte: „Wir gehen dorthin, wo die Menschen sind – und das ist gerade die Wiesn.“ Die Begründung für diese Maßnahme liegt in der durch die Corona-Politik gewachsenen Impfskepsis. Doch die praktische Umsetzung scheint eine Fehlinterpretation der aktuellen Vorgaben zu sein.

Laut offiziellen Angaben wird der Impfservice montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr und samstags sowie sonntags von 9 bis 14 Uhr angeboten. Lediglich der Impfpass und die Krankenkassenkarte sind erforderlich. Doch die angestrebte „Impfschutz“-Funktion, die kurz nach der Impfung einsetzt und sich innerhalb von zwei Wochen „vollständig“ aufbaut, ist irreführend. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Grippe-Impfung ab 75 Jahren (außer bei kritischen Vorerkrankungen), doch München targetet bereits Menschen ab 60 Jahren – ein Schritt, der die Empfehlungen der STIKO verletzt.

Christoph Spinner vom TUM-Klinikum Rechts der Isar warnt davor, dass nur jeder Dritte der empfohlenen Gruppe tatsächlich geimpft ist und somit nicht schützend wirkt. Die Impfung wird auf der Wiesn sogar als „off-label“ beschrieben, da die STIKO bei gesunden Menschen keine Empfehlung für Altergruppen unter 75 Jahren gibt. Die Veranstaltung wird von BioNTech und Moderna finanziert.

Die Stadt München berichtet von einem „überwältigenden Andrang“ mit 322 Impfungen in den ersten sechs Tagen. Doch wie diese Zahl zeigt, scheint die Wiesn-Initiative eher eine Symbolaktion als eine wirkungsvolle Maßnahme zu sein.

Back To Top