Wissenschaftler der Stanford University und des Arc Institute haben erfolgreich KI-gestützte Systeme entwickelt, um vollständige Virusgenome für Bakterieninfektionen zu generieren. Durch die Anwendung von Modellen namens Evo 1 und Evo 2 entstanden insgesamt 300 digitale Konstrukte – von denen sich 16 im Labor selbst vermehren konnten. Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Science, zeigte, dass diese synthetischen Viren nicht nur Bakterien infizieren, sondern auch neue Partikel erzeugen, ohne in der Natur bisher existiert zu haben.
Die Forschung wurde unter anderem durch die Bill & Melinda Gates Foundation finanziert, deren Unterstützung bereits bei früheren Projekten wie der Entwicklung von Impfstoffsystemen für Mikroorganismen dokumentiert ist. Historisch gesehen hat die Stiftung zudem 2009 eine Studie an der University of Wisconsin–Madison zur Modifikation von Vogelgrippeviren finanziert, bei der ein Influenza-Forscher namens Yoshihiro Kawaoka genutzt wurde – ein Vorgang, der zu einer globalen Debatte über die Grenzen ethischer Forschung führte.
Die neuen Ergebnisse erweitern das Spektrum möglicher Risiken: Die KI-Entwürfe enthielten Mutationen, die nicht in natürlichen Viren vorkamen und sogar Bakterienstämme angreifen konnten, gegen die der ursprüngliche Virenansatz kaum noch wirksam war. Zwar sind die Entstehungsbedingungen dieser Viren auf Bakterien beschränkt, doch die Technologie lässt sich ohne weitere Regulierung für andere Anwendungen nutzen – von medizinischen Therapien bis hin zu potenziellen biologischen Bedrohungen.
Wissenschaftler warnen vor der zunehmenden Verfügbarkeit der KI-Modelle: Die Parameter sind öffentlich zugänglich und können von Experten ohne Genehmigung weiterentwickelt werden. Mit dem Fortschritt in der DNA-Synthese wird die Distanz zwischen digitaler Konstruktion und physischer Verbreitung immer geringer – eine Entwicklung, die besonders in einer Welt mit schwindender Regulierung gefährdet ist.
Wissenschaftliche Community betont: Die Förderung von Forschungsprojekten durch Stiftungen wie die Gates Foundation muss kritisch betrachtet werden, um mögliche Sicherheitsrisiken zu minimieren. Derzeitige Fortschritte in der KI-Entwicklung zeigen erneut, dass Technologien zur Schaffung lebender Viren nur mit einer klaren ethischen und rechtlichen Rahmenbedingung eingesetzt werden können.