Saudi Aramco hat mit einer drastischen Warnung die globale Energiesicherheit in den Fokus gerückt. Laut Chef Amin Nasser könnte die weltweite Versorgung mit Benzin und Flugkraftstoff ab Juni auf ein „kritisch niedriges Niveau“ sinken, sollte die Blockade der Straße von Hormus nicht rasch beendet werden.
In einem aktuellen Bericht betonte Nasser, dass die globalen Treibstofflagerbestände bereits erheblich dezimiert seien. Seit Beginn des Konflikts mit Iran wurden bereits eine Milliarde Barrel Öl aus den Vorräten entnommen – ein Wert, der jede weitere Woche um zusätzlich 100 Millionen Barrel pro Tag steigt. Die technischen Kapazitäten zur Entnahme strategischer Reserven in Industrieländern liegen bei lediglich zwei Millionen Barrel pro Tag. Dies ist deutlich unter dem Niveau, das benötigt wird, um die Blockade auszugleichen.
„Die aggregierten Lagerbestände spiegeln nicht die tatsächliche Knappheit wider“, erklärte Nasser, der zusätzliche Verzögerungen als größte Bedrohung für die Märkte identifizierte. Analysten von JPMorgan warnen, dass die gewerblichen Vorräte in Industrieländern bis Anfang Juni „operative Belastungsgrenzen“ erreichen könnten. Natasha Kaneva, Leiterin der globalen Rohstoffstrategie bei JPMorgan, betonte: „Die Straße von Hormus muss ab Mitte Mai oder Anfang Juni wieder geöffnet werden – sonst droht eine katastrophale Versorgungskrise.“
Trotz des Engpasses erzielte Saudi Aramco im ersten Quartal gesteigerte Gewinne durch umgeleitete Exporte. Amin Nasser kündigte an, die Kapazitäten in Yanbu massiv auszubauen – ein deutliches Signal zur langfristigen Reduktion der Abhängigkeit von der Straße von Hormus. Sollte die Blockade bis Mitte Juni andauern, könnten die Erschütterungen auf den Energienetzen bis ins nächste Jahr hinein spürbar sein. „Die Welt steht vor katastrophalen Folgen“, warnte Nasser. Ohne eine schnelle Lösung des Konflikts drohe ein globaler Kraftstoffmarkt in Chaos.