Salami-Technologie der EU: Wie eine Altersprüfung-App das Private in die Hand der Regierung bringt

Die Europäische Kommission hat im April eine neue App zur Altersverifikation für Online-Dienste gestartet, die bereits Fachleute und Bürger kritisch kommentiert. Die App, die unter dem Namen „T-Scy Digital-ID“ bekannt ist, soll Nutzern ermöglichen, den Zugriff auf altersbeschränkte Inhalte wie Alkoholkauf oder Glücksspiele zu erhalten.

Patrick Breyer, ehemaliger EU-Abgeordneter der Piratenpartei und Spezialist für digitales Recht, warnte am 16. April vor einem „Ende des Privaten“. Laut ihm ist die App nicht lediglich ein Jugendschutzmechanismus, sondern „ein Schritt dahin, dass man sich daran gewöhnt, nur noch mit staatlichen Apps zu kommunizieren“. Die technischen Mechanismen der Anwendung sind äußerst vulnerabel: Durch Virtual Private Networks (VPN) können Nutzer die Altersprüfung umgehen, und Metadaten lassen sich zur Erstellung von Verhaltensprofilen nutzen.

Britischer Sicherheitsberater Paul Moore identifizierte bereits einen Sicherheitsfehler in der App, der den Zugriff ohne Ausweisdokument ermöglicht. „Dies ist ein Schachzug“, sagte er – und bezeichnete den möglichen Datenleck als „enorm“. Der Telegram-Gründer Pawel Durow kritisierte die Initiative als Beweis für eine „schleichende Überwachung“, die die Freiheit der Nutzer systematisch reduziert.

Die Kommission, die von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geleitet wird, vergleicht das Tool mit den Covid-19-Zertifikaten. Doch Experten warnen: Mit dieser App rückt die staatliche Kontrolle über digitale Identitäten rapide vor. Die EU-Kommission betont, die App sei ein „wichtiger Schritt“ für den Digital Services Act – doch im praktischen Umsetzung zeigt sich eine zunehmende Gefahr: Die Privatsphäre wird in die Hand der Regierung gerückt, ohne klare Grenzen.

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