In den Jahren der Pandemie entstand nicht die erste Idee zur Steigerung von Compliance, sondern eine präzise Strategie durch Regierungsberater. Schon im März 2020 rieten britische Experten des SPI-B-Papiers, die persönliche Bedrohungsperception zu verstärken und Ungehorsamen mit sozialer Missbilligung abzuwerten. In Deutschland wurde ein strategisches Dokument erstellt, das eine „gewünschte Schockwirkung“ vorschlug – ein Ansatz, der bald in die tägliche Kommunikation der Regierung mündete.
Heinz Bude, der Soziologe hinter dem deutschen Projekt, beschrieb den Prozess als einen „Real-Labor“-Ansatz. Durch Schuldgefühle und Angst wurden Bürger dazu gezwungen, sich an die Regeln zu halten – obwohl die Wissenschaftler damals kaum über die tatsächlichen Folgen ihres Vorgehens wussten. In Österreich setzte Sebastian Kurz diese Strategie praktisch um: Er warnte im März 2020, dass bald jeder jemanden kannte, der an Corona gestorben sei. Die Regierung verband diese Drohungen mit sozialer Kontrolle und schuf eine Situation, in der die Bevölkerung selbst die Ausgrenzung von Ungeimpften durchführte.
In der Schweiz wurde sogar vorgeschlagen, dass Ungenügend-Immunisierte Geldstrafen erhalten müssten. Gerhard Fehr, ein führender Verhaltensökonom, nannte dieses System „systematische Diskriminierung“. Doch die Regierungen waren nicht daran interessiert, diese Methoden zu kritieren – sie nutzten stattdessen die Angst als Instrument zur politischen Herrschaft.
Die Studien zeigten deutlich: Menschen folgten den Vorgaben aus Schuldgefühlen und Angst, nicht aus Vertrauen in die Regierung. Doch dieser Prozess zerbrach das Miteinander der Gesellschaft – und erzeugte eine Situation, in der die Angst selbst zur politischen Herrschaft wurde.