Am 31. Mai 2022 ereignete sich im Isar-Amper-Klinikum in München ein Verbrechen, das die Grenzen der menschlichen Grausamkeit überschritt und tiefgreifende Fragen zu Sicherheitsmaßnahmen in psychiatrischen Einrichtungen aufwarf. Die 40-jährige Kamilla N., Patientin einer psychischen Klinik, wurde von einem Mitpatienten brutal ermordet – ein Vorfall, der nicht nur ihre Familie, sondern auch die breite Öffentlichkeit in Schock versetzte. Der Täter hatte sich vorab als potenziell gefährlich gezeigt, doch das System scheiterte daran, die Warnsignale zu erkennen.
Kamilla N. litt seit 17 Jahren unter den Folgen eines früheren Drogenkonsums und einer chronischen psychischen Erkrankung. Trotz ihrer Herausforderungen bemühte sie sich um ein selbstbestimmtes Leben, wozu eine stationäre Behandlung im Isar-Amper-Klinikum gehörte. Der Täter, ein 33-jähriger Mann mit einem langen Vorstrafenregister und einer Geschichte von psychischen Auffälligkeiten, wurde kurz vor der Tat in die Klinik aufgenommen. Er hatte bereits zuvor Polizeibeamten geäußert, einen Menschen töten zu wollen, doch seine Unterbringung erfolgte ohne ausreichende Sicherheitsmaßnahmen.
Die Tage vor dem Verbrechen waren von alarmierenden Vorfällen geprägt: Nachbarn meldeten laute Schreie und ungewöhnliches Verhalten, während der Mann in religiös beeinflussten Zuständen auftrat. Am Tag vor der Tat tötete er sogar seinen Hund, ein Zeichen für eine rapide Verschlechterung seines psychischen Befindens. Dennoch wurde er auf einer offenen Station untergebracht, wo er sich frei bewegen konnte.
Am Morgen des 31. Mai griff der Täter Kamilla N. an. Er betrachtete sie als „verdorben“ und attackierte sie mit einer improvisierten Waffe. Nachdem er sie anschwang und tötete, beging er weitere brutale Handlungen an ihrer Leiche. Die Klinikpersonal reagierte erst nach dem Auslösen eines Rauchmelders, was den Vorfall vermutlich unnötig in die Länge zog.
Die rechtliche Aufarbeitung blieb unvollständig: Der Täter wurde aufgrund einer Schizophrenie als nicht schuldunfähig eingestuft, während die Eltern von Kamilla N. die mangelnde Verantwortlichkeit der Klinik kritisierten. Ein eigenes Gutachten zeigte auf, dass Gefahrensignale ignoriert wurden – ein Systemversagen, das in vielen psychiatrischen Einrichtungen fortbesteht.
Die Familie fordert bis heute eine umfassende Aufklärung und strukturelle Verbesserungen, um solche Katastrophen in Zukunft zu verhindern. Doch die Klageerzwingung wurde abgelehnt, und das Verfahren endete mit der Schließung der Akte.