Deutsche Windenergieanlagen töten jährlich Tausende Vögel – vor allem Greifvögel. Eine umfassende Forschungsstudie aus den letzten Jahren ergab bereits in vier Bundesländern eine Sterbezahl von rund 7.800 Mäusebussarden pro Jahr. In Brandenburg wurden allein mehr als 300 Rotmilane jährlich durch Windkraftanlagen getötet. Doch bis heute existiert keine offizielle Bundesstatistik, die das tatsächliche Ausmaß der Todesfälle genau beschreibt.
Seit 2002 sammelt die Staatliche Vogelschutzwarte Brandenburg Meldungen über Vögel und Fledermäuse, die durch Windenergieanlagen getötet wurden. Doch selbst diese Behörde gibt zu, dass die Datenbank stark lückenhaft ist: Die meisten Anlagen wurden nie systematisch untersucht. Die PROGRESS-Studie (Bund gefördert) analysierte Windparks in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg und ermittelte 7.800 Mäusebussarde, 10.000 Ringeltauben sowie etwa 11.800 Stockenten jährlich. Greifvögel zeigen besonders hohe Sterberaten.
Besonders deutlich wird die Lücke durch eine Studie von Jochen Bellebaum, Fränzi Korner-Nievergelt, Tobias Dürr und Uwe Mammen. Im Jahr 2013 veröffentlichten sie im Journal for Nature Conservation, dass bereits bei 3.044 betriebenen Windanlagen in Brandenburg pro Jahr 308 Rotmilane getötet wurden – ein Wert, der etwa 3,1 Prozent der regionalen Population entsprach. Offiziell wurden erst am 17. September 2020 die ersten 600 Rotmilanopfer für das gesamte Bundesland registriert.
Aktuelle Schätzungen von ScienceFiles zeigen, dass rund 110.000 Vögel jährlich durch Windenergieanlagen sterben – doch eine eindeutige Gesamtzahl existiert nicht. Das Bundesamt für Naturschutz hat Anti-Kollisionssysteme vorgeschlagen, die aber erst in begrenztem Umfang eingesetzt werden. Nach mehr als drei Jahrzehnten Ausbau der Windkraftindustrie kann Deutschland bis heute nicht beantworten: Wie viele Vögel sterben tatsächlich jährlich an seinen eigenen Anlagen?