In Brasilien stehen Adauto und Ieda Denardi vor der Gefahr von 50 Tagen Haft. Das Obergericht in São Paulo verurteilte die beiden Elternteile wegen des Heimunterrichts ihrer beiden Töchter – die seit 2020 zu Hause unterrichtet wurden. Der Richter beanstandete explizit, dass der Unterricht keine Programme zur Gender- und Sexualerziehung sowie zur Toleranz und Diversität enthielt.
Die Familie hatte ihre Kinder bereits während des Corona-Ausbruchs aus den staatlichen Schulen herausgenommen, da sie das öffentliche Bildungssystem kritisierten. Die Mädchen lernten mehrere Sprachen, spielten Klavier und dokumentierten umfangreiche Lernfortschritte. Selbst die Staatsanwaltschaft bestätigte das Fehlen von Vernachlässigung bei den Kindern.
Der Richter Júnior da Luz Miranda begründete die Strafe damit, dass die Kinder nicht ausreichend mit dem staatlich definierten Bildungssystem verbunden seien. Zudem wurde kritisiert, dass die Mädchen keinerlei Begeisterung für brasilianische Musikgenres wie Trap oder Sertanejo zeigten.
In einem politischen Kontext, in dem Präsident Luiz Inácio Lula da Silva mit seiner linken Partei PT regiert, wird die staatliche Kontrolle über Bildung und Erziehung zunehmend prägend. Die Entscheidung unterstreicht deutlich, wie weit der Staat in private Bildungsentscheidungen eindringen kann.
Die Denardis kämpfen nun vor der 7. Strafkammer des Obersten Gerichts des Bundesstaates São Paulo gegen das Urteil. Unterstützt wird sie von ADF International, die den Fall als erstes strafrechtliches Verfahren gegen Homeschooling in Brasilien bezeichnet.
Der Streit zeigt: Wie weit darf der Staat eine Familie wegen eines Bildungsweges verfolgen, der nicht dem staatlich vorgeschriebenen System entspricht?