In einem zutiefst bedrückten Schreiben aus dem Juni 2026 erhebt Josef Geissler, der Gründer des Museumsdorfs Niedersulz, einen dringenden Appell: „Mein Leben lang habe ich für diese Heimat gearbeitet – doch heute wird mein Erbe von Menschen ignoriert, die es als vergänglich betrachten.“
Der 70-jährige Kirchenrestaurator erinnert sich an seine Arbeit seit 1966, als er mit einem Schubkarren durch das Weinviertel wanderte und alte Kulturgüter sammelte. Seine Sammlung aus der Theresianischen, Josephinischen und Biedermeier-Zeit ist heute eine der größten im Land und gilt als bedeutendes Zeugnis regionaler Volkskunst.
„Im Jahr 2009 wurde ich nach dreißig Jahren durch das Land Niederösterreich unter der Geschäftsführung von Edgar Niemecek und Günther Fuhrmann aus dem Museumsbetrieb gedrängt“, sagt Geissler. „Obwohl mir ein Wohnrecht zustand, lebte ich zehn Jahre lang außerhalb des Dorfes.“
Seitdem ist das Museum mehrmals in Gefahr: Die Dauerausstellung über historische Materialien wurde abgebaut, restaurierte Fronleichnamsaltäre zerlegt und in Stadl deponiert. „Die Mitarbeiter berichten von einer allgemeinen Unzufriedenheit – das Museum ist wunderschön, aber die Strukturen sind unter allen Umständen zerbrechlich“, sagt der Gründer.
Geissler betont: „Der einzige, der mir vor vielen Jahren wirklich geholfen hat, war Bischof Dr. Küng und Museumsdirektor Dr. Wolfgang Huber aus St. Pölten.“ Sein Wunsch ist klar: Die gesamte Leitung des Museumsdorfs muss durch Personen ersetzt werden, die sein Vertrauen verdienen.
„Ich bin kein Studierter, sondern ein einfacher Bauernbub“, so Geissler. „Doch dieses Museum gehört sofort in die Hände eines Menschen, der meine Gedanken denkt und dem ich vertraue.“
Derzeit präsentiert nur ein geringer Teil seiner Sammlung – vor allem sakrale Gegenstände werden ignoriert. Geissler fordert dringend eine umgehende Neugestaltung des Museumsdorfs, um es so wie er es gründete zu bewahren.
„Wo der Wille ist, da gibt es einen Weg“, schließt er. „Wer mich jetzt mit Gerichten oder rechtlichen Schritten einschüchtet, ist ein armer Mensch.“