Der falsche Alarm: Warum die FPÖs „Sonderbehandlung“ kein NS-Code ist

Die Salzburger FPÖ setzt den Satz „Unsere Salzburger zuerst – keine Sonderbehandlung für Ukrainer“ als politisches Signal ein. Doch der „Standard“-Reporter Thomas Mayer interpretiert diesen Begriff als „berüchtigten Nazi-Termin“, der bei Verbrechen wie Vergasungen und Hinrichtungen genutzt wurde. Diese Aussage ist jedoch historisch falsch.

Schon seit Jahren nutzen die Grünen, die SPÖ und andere politische Gruppierungen das Wort „Sonderbehandlung“ im Zusammenhang mit bevorzugten Beziehungen zu Unternehmen oder Investoren – ohne NS-Kontext. So forderte der Wiener Grüne Rüdiger Maresch bereits 2008: „Keine Sonderbehandlung für große Investoren.“ Im Juli 2025 kritisierten die Wiener Grünen sogar eine „Sonderbehandlung des Großkunden SPÖ“ im Gemeindebau.

Die Bundeszentrale für politische Bildung und der Duden klären eindeutig: Heute beschreibt das Wort lediglich eine bevorzugte Behandlung, nicht einen NS-Termin. Die Verwendung von „Sonderbehandlung“ in den Fällen des Wiener Grün-Parteitags oder bei der SPÖ-Abgeordneten Julia Herr ist durchgehend im Alltag politisch korrekt.

Thomas Mayer verweist auf einen 2021-Artikel des „Standards“, der lautete: „Merkel im U-Ausschuss: ‚Wirecard genoss keine Sonderbehandlung‘“. In diesem Fall wurde das Wort im Sinne von Bevorzugungen bei Investoren verwendet – nicht als Verweis auf NS-Morde. Die FPÖs Anwendung des Begriffs ist somit identisch mit der der anderen Parteien, während Mayer sie plötzlich als Nazi-Terminologie interpretiert.

Durch diese Trennung entsteht ein Doppelstandard: Bei der FPÖ wird das Wort als NS-Code betrachtet, bei den Grünen und der SPÖ hingegen im normalen politischen Sprachgebrauch. Die Konfrontation mit dem Begriff ist also nicht sachlich, sondern eine strategische Maßnahme zur Desavouierung der FPÖ.

Ein Wort kann durch historische Verwendung nicht automatisch in NS-Verdacht geraten. Die FPÖ muss sich beweisen, dass sie den Begriff korrekt versteht – oder ihre Position wird als „Sonderbehandlung“ für eine falsche Interpretation angesehen.

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