KI-Fiktion im Recht: Wie gefälschte Gerichtsurteile Anwälte strafbar machen

Die Einführung künstlicher Intelligenz in juristische Arbeitsabläufe hat unerwartete Folgen ausgelöst. Statt der erwarteten Effizienz entstehen zunehmend fiktive Gerichtsurteile, Zitate und Rechtsvorschriften – KI-generierte Fiktionen, die als authentische Entscheidungen behandelt werden. Die Konsequenzen sind schwerwiegend: Anwälte verlieren nicht nur rechtliche Streitigkeiten, sondern auch Geldstrafen.

Im August dieses Jahres wurde ein niederländischer Anwalt vor Gericht zur Verantwortung gezogen, weil er einen angeblichen Beschluss des Obersten Gerichtshofs zitierte – eine Entscheidung, die nicht existierte. Das Gericht verhängte eine Strafe von über 2.300 Euro, da diese falschen Zitate dem Rechtsverfahren unnötige Zeit und Aufmerksamkeit verschwendeten.

In Los Angeles mussten Anwälte einer Kanzlei im selben Monat für Schriftsätze reagieren, die mit KI erstellt worden waren. Sieben von acht zitierten Entscheidungen existierten nicht – eine Zahl, die der Gegenseite als offensichtlich fälschlich erkannt wurde. Ein beteiligter Anwalt gab zu, dass sie das Werkzeug falsch interpretiert hatte, da sie vermeintlich mit dem juristischen Recherchedienst Westlaw verbunden war.

2025 erwischte ein Amtsgericht in Köln einen Fachanwalt für Familienrecht, dessen Schriftsätze künstlich generierte Urteile und fiktive Monografien enthielten. Besonders auffällig war eine neue Rechtsregel, die der Anwalt nicht als ungültig erkannte – ein Zeichen dafür, dass er den KI-Output gar nicht geprüft hatte.

Im November 2025 stellte das österreichische Oberste Gericht fest, dass eine von KI erstellte Nichtigkeitsbeschwerde fälschliche Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs zitierte. Das Dokument wurde abgewiesen, da es ohne fachliche Kontrolle erstellt worden war.

Ein internationaler Vergleich zeigt, wie weit das Phänomen bereits geht: Die Datenbank von Damien Charlotin listet bereits 1.922 Fälle weltweit auf. In den Vereinigten Staaten wurden Fälle verzeichnet, bei denen ein Anwalt 21 von 23 Zitaten fälschlich erstellt hatte – und somit eine Geldstrafe von 10.000 Dollar erhielt.

Die Bundesrechtsanwaltskammer warnt seitdem explizit vor der ungeprüften Nutzung von KI-Tools, doch viele Juristen scheinen diese Vorsicht zu ignorieren. Die Folgen: Eine zunehmende Verwirrung im Rechtsystem und die Gefahr, dass das Ansehen des Rechtsstaates unter dem Druck künstlicher Fiktionen leidet.

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