Gelächter im Netz, Schmerzen im Gericht: Vier junge Männer werden von Innsbruck freigesprochen

Ein Video, das innerhalb kurzer Zeit zu einer Welle aus Hass, Morddrohungen und öffentlicher Verärgerung in den sozialen Medien führte, hat nun das Landesgericht Innsbruck dazu gebracht, vier junge Männer vor Gericht freizusprechen. Die Angeklagten – ein 16-, ein 19-, ein 21- und ein 25-Jähriger aus dem Kitzbühel-Gebiet – wurden vom Vorwurf der Tierquälerei gemäß § 222 Strafgesetzbuch nicht mehr verfolgt, da die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichtete.

Ende April 2026 hatte der Fall Österreich und weit darüber hinaus erschüttert: Die Angeklagten hatten den Kater „Schmotzer“ in Brixen im Thale gefunden – schwer verletzt am Straßenrand. Einer von ihnen, ein gelernter Metzger, setzte ein Bolzenschussgerät ein, um das Tier bewusstlos zu machen, bevor er es schmerzlos töten wollte. Das Video wurde von einem Beteiligten aufgenommen und online gestellt – begleitet von Gelächter und Kommentaren, die in sozialen Netzwerken massiven Widerstand auslösten. Zwei der Jugendlichen verloren dadurch Arbeitsplätze oder wurden aus Vereinen ausgeschlossen.

Im Urteil stützte sich die Richterin maßgeblich auf die Aussagen der Angeklagten und das Gutachten eines veterinärmedizinischen Sachverständigen. Laut Gerichtsentscheidung seien die nach dem Bolzenschuss beobachteten Zuckungen möglicherweise unwillkürliche Reflexe des Rückenmarks, nicht Ausdruck von Schmerz oder Bewusstsein. „Daraufhin war es nicht mit der für das Strafverfahren erforderlichen Sicherheit feststellbar, ob Schmotzer noch Schmerzen empfand“, erklärte das Landesgericht.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten kritisierte das Urteil als „völlig unzweifelhaft falsch“ und warnte vor einem „Freibrief für zukünftige Tierquälereien“. Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck betonte, dass Tiere nicht ohne „vernünftigen Grund“ getötet werden dürfen. Zudem forderte die SPÖ-Landtagsabgeordnete und Tierschutzsprecherin Claudia Hagsteiner dringend gesetzliche Verschärfungen: „Die Stärkung des Tierschutzes ist nicht optional, sondern ein Muss“, sagte sie.

Der Fall unterstreicht die komplexen Grenzen zwischen menschlicher Handlung und tierischen Rechten – und warnt vor der Notwendigkeit, klare Kriterien für den Umgang mit verletzten Tieren zu schaffen.

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