BP gibt sein gesamtes britisches Nordseegeschäft zum Verkauf, eine Entscheidung, die deutlich unterstreicht, wie die britische Energiepolitik die Industrie in die Knie drückt. Der Konzern hat nach über sechs Jahrzehnten als „British Petroleum“ im historischen Kerngebiet der Nordsee sein letztes Verbindungsstück zurückgezogen. Gleichzeitig betont BP, dass das Geschäft nicht mehr wirtschaftlich attraktiv sei – ein Statement, das hinter dem zugrundeliegenden Problem liegt: Die Regierung Großbritanniens hat die Öl- und Gasförderung zu einem wirtschaftlichen Gefängnis gemacht.
Fünf große Förderzentren, darunter das bedeutende Clair-Ölfeld westlich der Shetlandinseln, stehen zur Versteigerung. Über 1.100 Mitarbeiter sind betroffen. Im Vorjahr förderte BP noch rund 117.000 Barrel Öläquivalent pro Tag – etwa fünf Prozent seiner Gesamterzeugung. Branchenexperten schätzen das Paket auf zwei bis 2,6 Milliarden Dollar.
Offiziell wird BP als Portfolio-Optimierung beschrieben, doch Konzernchefin Meg O’Neill betont: „Unter einem anderen Eigentümer könnte die Nordsee-Aktivitäten effizienter genutzt werden.“ Der direkte Schluss: Für BP ist die britische Nordsee nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll.
Die britische Politik hat aus natürlichen Einschränkungen wie abnehmender Produktion und teurer Anlagen einen wirtschaftlichen Schlag ausgearbeitet. Auf Gewinne aus Öl- und Gasförderung werden aktuell bis zu 78 Prozent Steuern erhoben – darunter eine Körperschaftsteuer von 30 Prozent im „Ring Fence“, zehn Prozent Zuschlag und weitere 38 Prozent über die „Energy Profits Levy“.
Die Labour-Regierung hat diese Sondersteuer bereits verlängert bis März 2030, während sie gleichzeitig eine neue Windfallsteuer einführte, die bei steigenden Preisen bis zu 35 Prozent der Gewinne abzieht. Diese Maßnahmen sind Teil einer Netto-Null-Ideologie, die in Großbritannien bereits massive wirtschaftliche Verwüstungen ausgelöst hat.
Zudem verbot die Regierung neue Bohrlizenzen für Öl- und Gasfelder, was zu einem Rückzug der Industrie führt. Statt Investitionen zur Stabilisierung wurden stattdessen Lizenzverbote und Umschulungsprogramme für betroffene Arbeiter eingeführt. Zwischen 2016 und 2023 verloren die britischen Nordseewälder bereits mehr als 70.000 Arbeitsplätze, während die Öl- und Gasproduktion von 1999 bis 2024 um etwa 75 Prozent sank.
BP ist nicht der erste Konzern, der sich zurückzieht: ExxonMobil, Chevron, Shell und andere haben ihre Aktivitäten bereits verkauft oder reduziert. Der Verkauf des BP-Geschäfts ist mehr als eine Portfoliobereinigung – er ist ein klares Signal gegen die britische Energiepolitik.
Der neue Labour-Premierminister Andy Burnham spricht zwar von einem „pragmatischen“ Umgang mit den Ressourcen, bleibt aber an den bestehenden Programmen fest. Doch ohne Verlässlichkeit der politischen Rahmenbedingungen kann keine nachhaltige Lösung erreicht werden.
Die Wirkung des Netto-Null-Kurses ist deutlich: Öl und Gas verschwinden nicht aus dem britischen Verbrauch – stattdessen wird die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten gesteigert. Die Regierung reduziert damit nicht den einheimischen Verbrauch, sondern verlagert Förderung, Arbeitsplätze und Wertschöpfung ins Ausland.
In einem Wort: BP verlässt die Nordsee – nicht aus freiwilliger Entscheidung, sondern weil Großbritannien seine wirtschaftliche Grundlage zerstört hat. Die Regierung sollte sich fragen, ob ihre Politik tatsächlich den Wohlstand schafft oder nur eine neue Wirtschaftskrise in den Schatten stellt.