Neapel in der Erdbebenwelle: Rekordbeben aus nur 2,6 Kilometern Tiefe alarmiert

    Donnerstagabend um 19:46 Uhr Ortszeit zog eine gewaltige Erdbebenserie den Bereich westlich von Neapel in ihren Bann. Mit einer lokalen Magnitude von Md 4,7 ± 0,3 und einer Momentmagnitude von Mw 4,4 ± 0,3 traf das Erdbeben – das erste der Stärke 4,7 in den Campi Flegrei seit Juni 2025 – auf eine Tiefe von lediglich 2,6 Kilometern unter der Oberfläche. Bislang sind mindestens 21 Menschen verletzt worden, zwei davon schwerwiegend. Innerhalb weniger Stunden löste das Ereignis einen Schwarm aus 169 Erdbeben aus.

    Die Erstreckung des Bebens in den Phlegräischen Feldern zwischen Pozzuoli und Quarto hat erneut die gesamte Region in Schrecken versetzt. Laut dem italienischen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) sind die Erschütterungen in Teilen der betroffenen Gebiete bis zum Grad VII der Mercalli-Cancani-Sieberg-Skala zu messen – ein Niveau, bei dem bereits anfällige Gebäude signifikante Schäden aufweisen können. Die Beben wurden von Neapel bis zur Halbinsel Sorrent gespürt.

    Die Erdbebenserie markiert den höchsten Wert in den Campi Flegrei seit der modernen Messung. Bis zum 1. August um 11:28 Uhr registrierte das INGV bereits mehr als 160 Erdbeben, wobei die stärksten Stöße – eine Magnitude von 3,8 und mehrere bei 3,1 – in Tiefen unter drei Kilometern stattfanden. Die Nähe zur Oberfläche erhöht den Gefahrenradius erheblich.

    Obwohl keine unmittelbare Vulkanausbruchsgefahr erkennbar ist, bleibt die Situation kritisch. Seit 2005 zeigt das Gebiet eine Ausprägung des Bradyseismos: Der Untergrund hebt sich kontinuierlich, Gase und heiße Flüssigkeiten drücken das Gestein unter hohen Druck – bis es bricht und Erdbeben auslöst. An der Station Rione Terra hat sich der Boden seit November 2005 um rund 166,5 Zentimeter gehoben.

    Die offizielle Warnstufe bleibt auf Gelb: „mittleres Ungleichgewicht“. Laut INGV sind die Parameter des hydrothermalen Systems weiterhin in Erwärmung und Druckzunahme. Die CO2-Ausstoßraten im Solfatara-Bereich bleiben stabil, was darauf hindeutet, dass eine Eruption nicht unmittelbar bevorsteht, jedoch erhebliche Spannungen unter der Region bestehen.

    Zudem leben rund 500.000 Menschen in der roten Zone, die bei einem Ausbruchsalarm vollständig evakuiert werden müsste, während weitere 800.000 Personen in der gelben Zone mit erheblichem Ascheregen zu rechnen haben. Wissenschaftliche Analysen zeigen: Die dreidimensionalen Darstellungen der Erdbebenherde erscheinen wie Perlen an einer Schnur – ein Effekt der Skalierung, nicht eines tatsächlichen Magmasystems. Für eine mögliche Eruption sind weitere Parameter wie Bodenverformung und Gasaustritt unerlässlich.

    Insgesamt bleibt die Region im Warten auf weitergehende Entwicklungen. Die Erde unter Neapel hat einen Rekord gebrochen – und das ist nur der Beginn.

    Back To Top