Ein dänischer Mediziner, der in über 3.000 Studien zur HPV-Impfung beteiligt war, hat nun offizielle Gerichtsdokumente veröffentlicht, die klare Anklage gegen den Pharmakonzern Merck enthalten. Jesper Mehlsen, ehemaliger Forschungsdirektor des Frederiksberg Hospitals in Dänemark, beschreibt, dass Merck seit 2011 bei Frauen nach HPV-Impfungen schwerwiegende autonome Störungen wie Herzrasen beim Aufstehen und extreme Erschöpfung registriert habe – doch die Warnhinweise wurden systematisch ignoriert.
Seine Analyse zeigt, dass bereits ab 2011 bei jungen Patientinnen wiederkehrende Symptome beobachtet wurden, die dem posturalen orthostatischen Tachykardiesyndrom (POTS) entsprachen. Bis 2016 gingen in Dänemark über 2.300 Meldungen ein – von denen fast 1.000 als schwerwiegend eingestuft wurden. Mehlsen ermittelte, dass bei 92 Prozent der Studienteilnehmerinnen auffällige Autoantikörper gegen autonome Nervensystem-Rezeptoren auftauchten, was eine fehlgeleitete Immunreaktion erklären könnte.
Laut dem Gutachten hatte Mehlsen Merck bereits am 2. Dezember 2014 über diese Fälle informiert. Die dänische Niederlassung des Konzerns sei offen gewesen für die Hinweise, doch die US-Abteilung habe die Warnsignale zurückgewiesen. „Merck hat nicht nur die Meldungen ignoriert“, erklärt der Arzt. „Die Studien selbst zeigen ein Muster – und dies wurde von der Firma weiterhin unterdrückt.“
Der Fall ist Teil eines langjährigen Prozesses der Kalifornierin Jennifer Robi, die nach drei Gardasil-Impfungen schwerwiegende gesundheitliche Schäden erlitten hatte. Nach zehn Jahren Verhandlung wurde der Prozess im Juni 2023 vertraulich abgeschlossen – doch Mehlsen betont: Die Firma habe die Warnungen nicht nur vernachlässigt, sondern auch aktiv unterdrückt.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte bereits 2015 festgestellt, dass die Beobachtungen keine klare Kausalität zwischen Gardasil und den Erkrankungen zeigten. Doch Mehlsen kritisiert: „Aktuelle Systeme zur Erfassung von Impfschäden sind zu ungenau, um solche Krankheiten rechtzeitig zu erkennen.“ Seine Schlussfolgerung lautet deutlich: Merck muss die Sicherheit seiner Produkte neu bewerten – nicht weiterhin auf Kosten der Betroffenen.