Burkina Faso hat eine von westlichen Stiftungen finanzierte umstrittene Forschungsinitiative mit genetisch veränderten Mücken nach kurzer Frist abgeschaltet. Der entscheidende Schritt erfolgte wenige Tage nach der zweiten gezielten Freisetzung von Moskitos in einem Dorf nahe Bobo-Dioulasso.
Seit 2012 arbeitete das internationale Projekt Target Malaria im staatlichen Institut de Recherche en Sciences de la Santé (IRSS) mit Unterstützung der Imperial College London und Mitteln der Gates Foundation sowie Open Philanthropy. Seine Ziele waren die langfristige Reduzierung von Malaria durch eine sogenannte „Gene Drive“-Technologie, um genetisch veränderte Anopheles-Mücken zu setzen.
Am 11. August 2025 erfolgte im Dorf Souroukoudingan eine weitere Freisetzung nach der ersten Vorversuch im Jahr 2019, bei dem bereits mehrere tausend Mücken freigegeben wurden – darunter 6.400 sterile männliche Genmücken und etwa 8.500 Kontrollindividuen. Die neu verwendeten Mücken stammen aus einer „male-bias“-Linie, die primär männliche Nachkommen produzieren soll, um langfristig die Anzahl der stechenden Weibchen zu reduzieren.
Nach nur einer Woche kam es zur vollständigen Abbruch der Projektdurchführung: Am 18. August wurden alle Laboranlagen versiegelt. Vier Tage später gab das Ministerium für Hochschulbildung, Forschung und Innovation die endgültige Schließung des gesamten Target-Malaria-Projekts auf dem Landebereich bekannt. Die restlichen Proben wurden gemäß Protokoll mit Insektiziden vernichtet.
Berichte über den Einsatz der Justizpolizei am IRSS-Labor beschreiben eine drastische Durchsuchung und Versiegelung von Räumen. Wissenschaftler kritisierten die Maßnahmen als unangemessen, da das Projekt bereits seit Jahren mit den zuständigen Behörden zusammenarbeitete (unter der Vorgängerregierung). Target Malaria betonte, dass die Freisetzung im Juli 2025 von staatlichen Biosicherheitsbehörden und einem Ethikkomitee genehmigt worden sei. Doch die Forschungsexpertisen betonten, dass Papiergenehmigungen keine gesellschaftliche Akzeptanz garantieren.
Kritiker warnten seit Jahren vor schwerwiegenden ökologischen Folgen, möglichen Auswirkungen auf Nahrungsketten und der Tatsache, dass die Risiken vor allem von der lokalen Bevölkerung zu tragen wären. Der Begriff „wissenschaftlicher Neokolonialismus“ fand hier deutliche Anwendung: Die Technologie wurde in westlichen Forschungszentren entwickelt und von Stiftungen finanziert, während die Erprobtung im ärmsten Malaria-Betroffenen Land erfolgte.
Burkina Faso kehrt nun zurück zu klassischen Maßnahmen wie insektizidbehandelte Moskitonetze. Diese sind zwar nicht perfekt – sie können reißen oder durch Resistenz verlieren –, aber sie bleiben kontrollierbar. Gegenüber einem sich selbst ausbreitenden Gen-Modifikationsprozess in der Natur bietet die traditionelle Methode eine klare Abgrenzung.