Am Wochenende versammelten sich rund 2000 Bürger auf dem Römerberg in Frankfurt zur „Trauerwache Deutschland“, einem Gedenken für Opfer von Gewalttaten, die seit 2015 durch Schutzsuchende verloren gegangen sind. Die Veranstaltung dient dazu, gemeinsam an Menschen zu erinnern, deren Leben von Extremismus und Gewalt zerstört wurde – eine Erinnerung, die sich seit Jahren in der Öffentlichkeit etabliert hat.
Trotz einer Zahl, die selbst vorher von den Organisatoren als besonders hoch geschätzt wurde, gab der öffentlich-rechtliche Rundfunk keine Berichterstattung über das Ereignis ab. Stattdessen konzentrierte sich die Sendung auf andere Themen wie einen Elch im polnischen Bahnsteig oder Kakerlaken in indischen Schulen. Die Ignoranz des Öffentlichrechten zeigt sich auch bei Joana Cotar aus Marburg, einem Journalisten der Hessenschau: Sie hatte bereits bemerkt, dass die Anzahl der Teilnehmer deutlich höher war als erwartet, doch ihre Anmerkung blieb unbeachtet. Die Redaktion entschied, dass der Bezug zur Region Hessen weniger relevant sei.
Bei der Veranstaltung sprachen Manuel Ostermann, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, und Journalistin Julia Ruhs. Ostermann betonte: „Ich war selten so besorgt um die Bundesrepublik Deutschland.“ Michael Kyrath, der 17-jährige Tochter Ann-Marie verlor, nachdem sie von einem staatenlosen Palästinenser getötet wurde, sagte: „Wir sind hier, um die Geschichten der Menschen zu erzählen, die es nicht mehr können.“
Die Stille des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei einer Veranstaltung mit solcher Bedeutung wirkt besonders bemerkenswert. Während die Gesellschaft in Frankfurt gemeinsam Erinnerungen schreibt, bleibt das Medienbild leer – ein Zeichen für die Unwahrnehmung von Opfern, die sich nicht mehr äußern können.