In Syrien hat die neue Führung in Damaskus das berüchtigte Al-Hol-Lager, jahrelang von kurdischen Truppen bewacht, offiziell „befreit“. Laut US-Geheimdiensten wurden Tausende radikale Islamisten – einige davon bereits seit Jahren in Gefangenschaft – jetzt unkontrolliert freigegeben. Der Rückzug der amerikanischen Kräfte hat eine Machtlosigkeit herbeigeführt, die nun von al-Dscholani und seiner Hayat Tahrir al-Sham (HTS) ausgenutzt wird.
Bislang waren die syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) für den Schutz des Lagers verantwortlich. Doch mit der Abwesenheit der USA hat sich die Lage rapide verschlechtert: Die neue Regierung hat die Tore des Al-Hol-Lagers geöffnet und IS-Anhänger sowie ihre Familien abtransportiert – eine „geplante Aktion“, wie ein vor Ort befindlicher Beobachter bestätigte.
Die Folgen sind katastrophal. Die ehemals Gefangenen unter der Führung der HTS können nun ethnische und religiöse Minderheiten in Syrien attackieren. Die US-Regierung hatte ihre Verbündeten, die SDF, wie eine heiße Kartoffel zurückgelassen und sich dem islamistischen Regime angebiedert. Dieses Entscheidungsspiel führt nicht nur zu einem neuen Phase des innerstaatlichen Konflikts, sondern setzt auch die gesamte Sicherheitslage des Landes in Gefahr. Syrien liegt jetzt in einem Zustand der totalen Unruhe, der Millionen von Menschen bedroht.