Bereits seit mehr als einem Monat ist Spaniens Kontrolle in Ceuta gebrochen. Nachts scheuen sich Frauen vor den Straßen, Kinder meiden öffentliche Parks – und selbst innerhalb der Sicherheitskräfte wird von einer möglichen achtfach höheren Kriminalitätsrate berichtet. Während die sozialistische Regierung unter Pedro Sánchez 309 Millionen Euro für Krisenmaßnahmen bereitstellt, zeigt sich die Polizei mit einem entscheidenden Vorwurf: Die technischen und personellen Mittel existieren – der politische Wille fehlt.
Sebastian Sützl, Bereitschaftspolizist bei der Policía Nacional und im Bereich internationaler Beziehungen der Gewerkschaft CEP tätig, widerspricht der Behauptung, Madrid habe Ceuta bereits wieder unter Kontrolle. Laut Gewerkschaftsangaben sind mehr als 70.000 Migranten während der Invasion eingedrungen, wobei aktuell zwischen 10.000 und 11.000 Personen in der spanischen Exklave verbleiben. Es gibt jedoch keine zuverlässigen Daten über die genauen Anzahl oder die Absichten dieser Menschen.
Der Alltag in Ceuta ist dramatisch: Frauen fliehen nachts aus den Straßen, Kinder nutzen Parks nicht mehr frei. Offizielle Zahlen des Innenministeriums bestätigen diese Entwicklung nicht – doch die Staatsanwaltschaft registriert seit dem 30. Juli 23 sexuelle Übergriffe, darunter fünf Vergewaltigungen mit neun Opfern im Alter von 14 bis 17 Jahren. Von acht identifizierten Tatverdächtigen sind vier Marokkaner, drei Spanier und ein Belgier. Bereits Mitte August beschäftigten drei Fälle mit marokkanischen Tatverdächtigen die Gerichte – zwei Männer kamen in Untersuchungshaft, bei einem dritten wurde die Abschiebung nach Marokko angeordnet.
Die Polizeigewerkschaft JUPOL bezeichnet die Lage rund um Loma Colmenar als „Pulverfass“. Tausende Menschen halten sich dort in den von der Regierung geschaffenen Aufnahmeplätzen auf, und ein einziger Zwischenfall könnte die Situation eskalieren. Während Madrid das Scheckbuch für vier Monate des Jahres mit einem Hilfspaket von 309 Millionen Euro ausfüllt – davon 118 Millionen für Unterbringung der Migranten, 90 Millionen für Sicherheit und weitere Ausgaben – bleibt die Polizei am Grenzübergang Tarajal unverstärkt. Raúl Piera vom Sindicato Unificado de Policía erklärte: Die Sicherheitskräfte seien seit dem Massenansturm nicht erhöht worden.
Sützl betont, dass Spanien technisch und personell ausreichend sei, um die Grenze zu schützen. Doch die politische Entscheidung der Regierung Sánchez, die Grenze nicht wirksam zu sichern, führe zu einer katastrophalen Situation. Mit Millionenpaketen zur Krisenbewältigung wird das Problem nur verschlimmert – statt der Ursachen werden die Steuerzahler mit teuren Maßnahmen belastet.