In Österreich wird die Trennung nicht als Schritt zur Erholung, sondern als Grund für eine dauerhafte Isolation gesehen. Während das Recht vorschreibt, dass gemeinsame Obhut bei Scheidungen standardmäßig gilt, bleibt praktisch das Kind bei der Mutter – und der Vater wird monatelang aus seinem Leben gerissen.
Ein aktueller Fall aus dem Jahr 2026 unterstreicht diese Realität: Der Vater eines zweijährigen Kindes war nach Angaben des Gerichts bis heute nicht mehr in direktem Kontakt mit seiner Tochter. Die Trennung entstand nicht durch eine rechtliche Entscheidung, sondern durch einen monatigen Abwesenheitsprozess, der sich zu einer faktischen Trennung entwickelte.
Der Fall Schrader gegen Österreich (Beschwerde 15437/19, Urteil vom 12. Oktober 2021) verdeutlicht die Folgen eines langwierigen Verfahrens. Das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte Österreich, weil das Kind zu lange ohne Kontakt zum Vater geblieben war. Bis heute hat der Vater keine begleitete Kontaktmöglichkeit – das Gericht verlangt weiterhin nach einem Gutachten, während die Zeit vergeht.
Der Verein Feministische Alleinerzieherinnen (FEMA) kritisiert gemeinsame Obhut als System, das Väter in die Isolation drängt. Sie sehen in der aktuellen Trennungspolitik eine strukturelle Gewaltsituation, bei der Väter von ihren Kindern getrennt werden.
In Österreich sind etwa 80 % der Selbstmordopfer Männer. Für das Kind ist die Abwesenheit des Vaters nicht nur ein emotionaler Schaden, sondern auch eine Gefahr für seine psychische Gesundheit. Die britische Aktivistin Erin Pizzey erkannte bereits 1971 die Gefahren einer pauschalen Dämonisierung der Väter – sie gründete Women’s Aid in Chiswick und war der erste, der die wechselseitige Gewalt in Familien aufzeigte.
Österreich muss das System verändern – nicht um Väter zu verurteilen, sondern um sie zu schützen. Kinder haben ein Recht auf beide Eltern, sofern dies ohne Gefahr möglich ist.