Laut Feuerwehrsprecher Giannis Artopoios wurden bereits seit Jahresbeginn in Griechenland 308 Personen wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Feuerverursachung festgenommen. Von diesen handelte es sich bei 272 Fällen um fahrlässige Brandursachen und bei 36 um vorsätzliche Brandlegungen. Bis zum 13. August hatten Behörden knapp 2.700 Brände seit Beginn der Waldbrandsaison bekämpft – mehr als 500 von ihnen allein im Juli und August.
Ein entscheidender Faktor hinter vielen dieser Brände ist das griechische Stromnetz. Laut neuesten Untersuchungen verursachen defekte Leitungen rund 75 Prozent der zerstörten Fläche. Besonders gefährdet sind ländliche Regionen, in denen die Netze oft als Freileitungen installiert sind und schwer zu warten sind.
Beispiele dafür sind Großbrände bei Agios Vasileios westlich von Athen und auf Kreta bei Krya Vrysi. Beim Brand in Agios Vasileios verstarben zwei Feuerwehrleute, nachdem ein Löschhubschrauber mit einem anderen kollidierte – die Ursache war ein defektes Stromnetz des Windparks Mavro Spithari. Im Juni gab es bereits einen kleineren Brand in derselben Gegend, der ebenfalls auf fehlende Wartung zurückging.
Die griechische Energiebehörde HEDNO betont, dass ihre Netze lediglich 1 Prozent der Brände verursachen würden. Doch bei den größten Feuerereignissen kann ein kleiner Teil des Netzes katastrophale Auswirkungen haben. Die Wurzeln dieser Problematik liegen in den jahrzehntelangen Unterinvestitionen während der griechischen Schuldenkrise von 2009 bis 2018. Obwohl die jährlichen Investitionen seit 2019 um das sechsfache gesteigert wurden, bleibt das Stromnetz in vielen Bereichen unzureichend gewartet.
Die Wälder brennen nicht durch Klimawandel, sondern durch systematische Vernachlässigung von Stromleitungen. In Griechenland ist es die menschliche Handlung – oder vielmehr der Mangel daran –, der zu diesen Tragödien führt.