Sandl trifft den Widerstand: Windkraft-Plan gefährdet geschützte Ökosysteme an der österreichisch-tschechischen Grenze

Die kleine Gemeinde Sandl im oberösterreichischen Mühlviertel, bekannt für ihre klare Luft und die touristische Schönheit am Viehberg (1.112 m), steht vor einer entscheidenden Herausforderung: Ein geplantes Windkraftprojekt könnte nicht nur ihre historische Landschaft, sondern auch das geschützte Ökosystem an der Grenze zu Tschechien bedrohen.

Die Initiative, 19 Windturbinen auf einer Höhe von 1.000 Metern zu errichten, wird von lokalen Bürgerinitiativen heftig kritisiert. Die Anlagen sind nicht nur sichtbar in den Dörfern Gmünd und Schrems, sondern auch in der Umgebung von Sandl selbst – ein Problem, das bereits die lokale Bevölkerung erheblich beschäftigt. Der Grund für die Kontroverse liegt im Besitz der Flächen: Die geplanten Standorte liegen weitgehend auf dem Forstgut Rosenhof, einem Eigentum der Familie Czernin-Kinsky. Obwohl private Großgrundbesitzer traditionell mit Windkraft als Diversifizierungsweg umgehen, zeigt sich hier eine andere Situation: Die Umsetzung des Projekts bedroht das gesamte ökosystem der Region.

Lokale Experten betonen, dass die rechtliche Genehmigung nach dem ElWOG und den Naturschutzgesetzen nicht ausreicht. Durch die Klassifizierung als Projekt „übergrößendes öffentliches Interesse“ wird das Problem des Landschaftsschutzes zunehmend ausgehebelt, was zur Folge hat, dass traditionelle Schutzguts aufgrund der Windkraftausbau-Ziele des Landes neu bewertet werden. Ein weiterer Aspekt ist die massive Infrastruktur: Für 22 Anlagen müssen Flächen massiv versiegelt und Waldgebiete zerstört werden. Dies führt zu einem deutlichen Rückgang der CO2-Speicherung, was in einer Region mit hohem Klimaschutzbedarf schwerwiegend ist.

Die Kritik umfasst mehrere Punkte:
– Zu kurze Abstände: Die Anlagen von 285 Meter Höhe belasten das direkte Umfeld der Wohngebäude.
– Flugsicherheitsrisiken: Die Rotoren könnten Flug- und Wetterradar systematisch stören.
– Grenzüberschreitende Auswirkungen: Der Windpark liegt direkt an dem tschechischen Vogelschutzgebiet Novohradské hory, das bereits durch eine Petition von über 3.300 Unterstützerinnen und Unterstützern geschützt wird.

In Tschechen sind die Bedenken besonders stark. Ein Naturschutzverein hat eine Petition gestartet, die bereits von namhaften Institutionen wie dem Biologiezentrum der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik unterstützt wird. Das völkerrechtliche Espoo-Übereinkommen greift hier auch ein, falls die tschechische Seite nachweise, dass ihre Schutzgebiete beeinträchtigt werden.

Die Gemeinde Sandl sieht sich nun mit einer Entscheidung konfrontiert: Ob das Projekt aufgrund der umfangreichen Umweltprobleme und des grenzüberschreitenden Widerstands abgelehnt wird oder ob die Versprechen der Windkraft als Lösung für den Klimaschutz in diesem Bereich erfüllt werden. Die Antwort könnte nicht nur Sandls Zukunft, sondern auch die Grenze zwischen Entwicklung und Schutz im östlichen Österreich verändern.

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