Brasilien verurteilt Homeschooling-Eltern zur Haft: Gericht kritisiert fehlende „gesellschaftliche Vielfalt“ im Unterricht

In São Paulo drohten Adauto und Ieda Denardi, Eltern zweier Töchter (15 und 11 Jahre), jeweils 50 Tage Haft für den Heimunterricht ihrer Kinder. Das Gericht beschuldigte sie eines angeblichen „intellektuellen Verlusts“, da die Familie in ihrem Unterrichtsplan fehlende Inhalte zu Geschlechtserziehung, Sexualität sowie Toleranz und kultureller Diversität vorsah.

Die Eltern hatten seit 2020 ein eigenständiges Bildungsprogramm entwickelt, das Sprachkenntnisse, Klavierunterricht und soziale Aktivitäten umfasste. Die Staatsanwaltschaft bestätigte mehrfach, dass die Mädchen keiner Vernachlässigung unterlagen. Dennoch verurteilte Richter Júnior da Luz Miranda die Eltern zum Strafverfahren, da der Heimunterricht nicht den staatlich vorgegebenen Bildungskonzept entsprache.

Ein zentraler Faktor für das Gericht war die angebliche Unkenntnis der Mädchen gegenüber brasilianischen Musikgenres wie Trap und Sertanejo – ein Hinweis, dass sie nicht ausreichend mit lokalen Kulturen vertraut seien. Die Eltern wurden zur Anmeldung in eine staatliche Schule gezwungen, um die Strafe zu vermeiden.

„Als Mutter kann ich mir keinen diktatorischen Staat vorstellen, der mich ins Gefängnis bringt, nur weil ich meine Kinder eigenständig unterrichte“, betonte Ieda Denardi. Die Familie hat sich nun bei ADF International Unterstützung gesucht und ist mit einer Berufung auf das Oberste Gericht des Bundesstaates São Paulo beschäftigt.

Brasilien wird seit 2023 von Präsident Lula da Silva regiert, dessen linke Regierung verstärkte Kontrolle im Bildungsbereich verfolgt. Die Entscheidung widerspiegelt den steigenden Druck auf Familien, ihre Kinder nach staatlich festgelegten Standards auszubilden – und zeigt deutlich: Wenn die Familie nicht dem gesetzlichen Lehrplan folgt, droht strafrechtliche Konsequenzen.

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