Seit März 2026 muss der 31-jährige Djamal B., ein lediger Mann ohne Kinder, vor der Jugendkammer des Landgerichts Marburg zur Verantwortung gezogen werden – angeklagt, seit Juni 2014 mehr als zehn Jahre lang schutzbedürftige Personen systematisch ausgenutzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Marburg listet insgesamt 17 Vorwürfe auf: versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung, sexueller Missbrauch von Widerstandsunfähigen und Kindern sowie die Herstellung und Besitz kinder- und jugendpornografischer Materialien.
Laut Anklage soll Djamal B. seine Opfer häufig mit Alkohol oder Medikamenten sediert haben, um sie widerstandsunfähig zu machen. Danach wurden sie teilentkleidet, intensiv berührt und sexuelle Handlungen vorgenommen – in mehreren Fällen auch Nacktfotos oder -videos erstellt. In zwei schwerwiegenden Taten soll er durch Überdosierung den Tod der Opfer herbeigeführt haben. Die Tatorte liegen laut Anklage in der Wohnung des Angeklagten, bei Opfern, einem Kampfsportstudio, auf einer Bunkeranlage und in einem Klinikum.
Der Prozess findet vor der Jugendkammer statt, da fünf der 17 Taten während Djamal Bs „Heranwachsenden“ Phase begangen worden sein sollen. B. befindet sich seit Februar vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind 15 Verhandlungstage vorgesehen – zusätzlich wird geprüft, ob er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss. Das Urteil ist für den 13. Mai festgelegt.
Der Fall offenbart erneut, wie Macht und Vertrauen in beruflichen Positionen missbraucht werden können. Besonders schockierend sind die zehn Jahre lang anhaltende Taten und die Vielzahl der Rollen, durch welche Djamal B. Zugang zu schutzbedürftigen Personen hatte. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, handelt es sich um einen der gravierendsten Serienmissbrauchsfälle mit beruflichem Machtmissbrauch in den letzten Jahren.